Zurück zu alten Stärken

Vor drei Wochen hatten wir an dieser Stelle geschrieben, dass der SV Meppen nun vor ganz schweren Wochen stehe. Die Blau-Weißen hatten gerade in desolater Art und Weise mit 0:3 in Wiesbaden verloren und waren auf den letzten Tabellenplatz abgestürzt. Die Spielweise wirkte erschreckend uninspiriert und planlos und auch kritische Stimmen im Umfeld mehrten sich. Drei Wochen später bleibt nur zu sagen: Hut ab vor dieser Mannschaft und dem Trainerteam. Der SV Meppen ist wieder da.

Dass bereits die Spiele gegen Unterhaching und in Würzburg deutliche Fortschritte im Vergleich zu den Vorwochen waren, hat jeder gesehen. Allein: Der Ertrag stimmte mit einem Punkt nicht, zudem sorgte der Last-Minute-Knockout in Würzburg zunächst für lähmendes Entsetzen. Dass die Truppe auch diesen erneuten Nackenschlag in einer an Nackenschlägen bislang nicht armen Saison scheinbar mühelos weggesteckt hat, ist eigentlich kaum zu glauben. Doch tatsächlich: Binnen von nur acht Tagen hat der SVM sein Punktekonto verdoppelt und zunächst einmal die Abstiegszone verlassen.

Grimaldi und Mölders ohne Stich

4:2 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den TSV 1860 München. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wie großartig klingt das? Ganz gleich, mit welchen Problemen sich die Eintracht derzeit rumschlägt und dass die Sechzger im letzten Jahr noch Regionalligist waren. Immerhin reden wir hier von zwei ehemaligen deutschen Meistern.

Der Sieg gegen 1860? War vollkommen verdient. Marco Komenda und Jovan Vidovic hatten die beiden Brecher Grimaldi und Mölders im Löwen-Dress weitestgehend sehr gut unter Kontrolle. Und das ist bereits die halbe Miete – denn zugegebenermaßen fehlt München, wenn es mit ihren langen Bällen auf die beiden Zielspieler nicht funktioniert, ein Plan B. So blieb 1860 bis auf wenige Ausnahmen erschreckend harmlos. Selbst in der Schlussphase hatte der Meppener Defensivverbund die Offensivbemühungen des Gegners beeindruckend gut im Griff.

Von Haacke und Tankulic überzeugen

In unserer eigenen Offensive läuft der Ball indes endlich wieder vernünftig und bisweilen sehenswert. Einer der Gründe für den Aufschwung: Julian von Haacke. Der Neuzugang wird tatsächlich von Spiel zu Spiel besser. Er hatte es in den ersten Partien sicherlich nicht leicht, ohne Vorbereitung direkt in die Mannschaft zu rutschen. Dass ihm Spielpraxis fehlt, war schon einige Male deutlich zu merken. Aber sowohl gegen Braunschweig als auch heute war das richtig gut. Der Mann kann einfach richtig gut kicken und bringt Ruhe. Zudem tritt er gute Standards.

Ein weiterer Grund: Luka Tankulic. Gerade erst nach seiner Verletzung wieder genesen, ist und bleibt er einfach irrsinnig wichtig. Fußballerisch über jeden Zweifel erhaben, war Tankulic auch diesmal an diversen Angriffsaktionen beteiligt. Er hebt das Meppener Spiel auf ein anderes Level. Dass er ab der 65. Minute sichtlich platt war, ist angesichts des wochenlangen Fehlens völlig normal.

Zudem nicht unerwähnt bleiben soll Deniz Undav. Auch wenn er heute mal nicht getroffen hat – der Junge schießt nicht nur Tore, er läuft auch fantastisch gegen den Ball an. Das ist schon echt bemerkenswert, wie viele Bälle er trotz seiner fehlenden Erfahrung festmachen kann und wie er sich irgendwie häufig durch die Gegner wurschteln kann. Das war für einen Stürmer heute sicher nicht das großartigste Spiel, weil er innerhalb des Sechzehners wenig Möglichkeiten erhielt, er war aber trotzdem unheimlich wertvoll für unser Spiel.

Zurück zu alten Stärken

Grundsätzlich gilt: Der SVM spielt wieder direkter und nimmt auch Ballverluste in Kauf. Das war gegen Rostock und in Wiesbaden abhanden gekommen. Aber dem Team tut das gut. Über mangelnden Einsatz kann sich sowieso niemand beschweren. Auch heute kamen die guten alten emsländischen Tugenden zum Einsatz, man hatte das Gefühl, dass sich jeder wirklich den Allerwertesten aufgerissen hat. Der Funke sprang über – das Publikum war voll da und stand in der Schlussphase durchgehend. Wer heute im Stadion war, hat keinen Grund, gegen Münster beim nächsten Heimspiel zuhause zu bleiben.

Letztendlich sollten die letzten vier Spiele gezeigt haben, dass in dieser Liga eben wirklich jeder jeden schlagen kann. Und dass wir mit jeder Mannschaft mithalten können. Die Länderspielpause voraussichtlich über dem Strich zu verbringen, gibt natürlich noch einmal extra positives Gefühl. Nachlassen darf man aber schon danach in Großaspach nicht. Denn das würde mit Sicherheit bestraft.

H.N.
Foto: Lars Schröer – Studio205

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