Zufrieden?

»Ein reicher Mann ist einer, der weiß, dass er genug hat«, soll der chinesische Philosoph Laotse mal gesagt haben. Mit Verlaub, das mag schon stimmen, für den Fußball gilt das aber nicht. Was wir Laotse nicht weiter vorhalten wollen, schließlich lebte der gute Mann im sechsten Jahrhundert vor Christus. Und die Chinesen begannen, laut Fußballforschern, erst 300 Jahre später einen federgefüllten Lederball durch die Gegend zu bolzen.

Wäre, Wäre, Fahrradkette

Kurzum: seitdem sollte niemand mehr zufrieden sein, wenn er vermeintlich schon genug hat. Und der SV Meppen hat in letzter Zeit viel gesammelt: Sympathien, Zuschauer und vor allem Punkte. Mit 26 Zählern steht der SVM als Neunter in der 3. Liga unglaublich gut dar. Besser, als es sich jemand hätte wünschen können. Und wären die engen Partien gegen Lotte (Eigentor in der letzten Minute) und Großaspach (Standard nach mehreren Großchancen) etwas anders verlaufen, der SVM könnte an diesem Wochenende mit dem Relegationrang gleichziehen.

Tja, hätte wenn und aber, der Fußball in Meppen war ja stets ein Sport des Konjunktivs.

Trotzdem dürften vor der Winterpause noch einmal die Taschenrechner rausgeholt werden. Denn gegen den abstiegs- und insolvenzbedrohten RW Erfurt, gegen Werder Bremen II und gegen Würzburger Kickers sind allemal drei Siege möglich. Sieben Punkte dürften sogar realistisch sein. Die Mannschaft hat sich, wie Benjamin Girth gegenüber liga3-online.de sagte, vier Punkte vorgenommen. Dann wäre die 30-Punkte-Marke vor Weihnachten geknackt.

Wann hat man in Meppen genug?

Ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage. Das klingt realistisch, aber in Erinnerung an die zuletzt gezeigten Leistungen auch ein bisschen ernüchternd. Die Mannschaft, die sich weiterhin zerreißt und zugleich brandgefährlichen Fußball spielt, kann eigentlich mehr. Was zu der Frage führt: Wann ist man in Meppen zufrieden? Wann hat man in Meppen genug?

Innerhalb der Mannschaft und dem nächsten Umfeld wird Demut gelebt. Keeper Erik Domaschke verriet uns im Interview: »Das Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt«. Auch intern würden sich keine anderen Ziele gesteckt. Klar: mit drei Niederlagen vor Jahresende könnte der Vorsprung schnell schmelzen. Ist die Saison also perfekt verlaufen, wenn sie der SVM als Tabellensiebzehnter abschließt?

»Ja, natürlich«, will man rufen und denkt sich innerlich: »Naja, ein bisschen mehr darf es natürlich sein.« Das ist kein falscher Ehrgeiz, sondern liegt in den starken Leistungen der Hinrunde begründet. Denn diese Mannschaft ist zu mehr als Abstiegskampf im Stande. Und dass zwischen den Fantasien mancher Fans noch immer die sachliche Demut des Vereins gegengeschnitten werden kann, ist vorbildlich.

Kampf um jeden Quadratzentimeter

Trainer Christian Neidhart hat vor dem Spiel in Erfurt gegenüber der NOZ erkannt: »Ich glaube, dass wir auf eine Erfurter Mannschaft treffen werden, wo der Trainer noch einmal alles versuchen wird, herauszukitzeln. Und mit viel Überzeugungskraft arbeitet.« – Kampf um jeden Quadratzentimeter Rasen, Emotionen, am Ende entscheidet vielleicht nur der Wille. Für den SV Meppen klingt das eigentlich nach dem perfekten Spiel.

Sofern Spieler und Trainer nicht zu früh zufrieden sind, wenn sie eben noch nicht genug haben.

Entscheidend wird es deshalb in den kommenden Wochen sein, sich die richtigen Ziele zu setzen. Vielleicht, um es mit dem grinsenden Vorstandssprecher Andreas Kremer auf der Jahreshauptversammlung zu sagen, indem man daran denkt, dass der Vierte noch DFB-Pokal spielen darf. Vielleicht durch eine (30)-Punkte-Marke. Oder indem man einfach weiter mitreißenden Fußball spielt. Denn davon bekommen wir nie genug.

 

T.A. 
Foto: Nikita Teryoshin // 11FREUNDE

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