Zeichen gesetzt

Beim SV Meppen galt, spätestens seit dem Gang in die Unterklasse, seit jeher eine Regel: rechne immer mit Punkten, die du noch gar nicht hast.

Meistens war es dann so, dass jeder in der Stadt dir vorrechnen konnte, dass dieses Jahr der Aufstieg drinsäße, wenn der SVM nur aus den nächsten vier Spielen zwölf Punkte holen würde. Und dann das direkte Duell gegen [setze hier den Namen eines beliebigen Spitzenreiters ein] zu Null gewinnen würde. Dann würden auch wieder die Zuschauer kommen. Und Geld in die Kassen spülen. Und mit dem Geld würde der nächste Königstransfer gelandet. Dann würde alles wieder gut werden.

Meist ging der SV Meppen dann bereits sonntags mit 0:3 in [setze hier den Ortsnamen eines beliebigen Abstiegskandidaten ein] baden. Und in Meppen wurde neu gerechnet. Bis zum nächsten Wochenende.

Mal umgedacht

Mittlerweile ist in Meppen alles wieder gut. Meppen ist dritte Liga. Doch vielleicht ist das gar nicht das größte Wunder, das der Vorstand in den letzten Jahren geleistet hat. Es ist das Umdenken.

Gestern setzte Thilo Leugers sein Autogramm unter einen Vertrag, der bis zum Jahr 2020 datiert ist. 2020. Das sind zweieinhalb weitere Jahre, die dieser Mann beim SV Meppen bleiben wird. Eine verdammte Ewigkeit. Und die wahrscheinlich beste Nachricht seit dem 31. Mai 2017 – seit dem Aufstieg.

Thilo Leugers trägt nicht die Kapitänsbinde. Wahrscheinlich, weil jeder weiß, dass er sie überhaupt nicht benötigt. Und auch, wenn der SV Meppen durch und nur durch das Kollektiv zum Erfolg gekommen ist, gibt es immer Spieler, die hervorstechen. Die etwas häufiger einen guten Tag erwischen. Die, wenn sie einmal nicht auf dem Platz stehen, fehlen. Die vorangehen. Thilo Leugers ist so einer.

Einer geht voran

Vor ziemlich genau einem Jahr spielte der SVM beim Hamburger SV II. Als Spitzenreiter. Aber noch lange nicht als Meister. Kurz vor der Pause schoss Mirco Born die Truppe in Front. Direkt nach der Pause erhöhte Benni Girth auf 2:0. Hamburg verkürzte direkt. Ein Spiel auf Messers Schneide. Und der SVM erhielt einen Elfmeter. Leugers lief an – und schoss den Ball in die Arme des Torwarts.

Warum dieses Spiel trotzdem sinnbildlich ist? Weil Thilo Leugers sich zu diesem Zeitpunkt mit einer Leistenverletzung über den Platz kämpfte. Er biss wirklich auf die Zähne. Hielt den Laden zusammen. Und musste kurz nach dem verschossenen Elfmeter ausgewechselt werden. Was dann passierte: die Struktur auf dem Platz brach völlig zusammen, weil niemand den Laden noch zusammenhielt. Wie sehr man etwas vermisst, merkt man eben erst, wenn es fehlt. Meppen gewann. Doch an diesem Nachmittag war klar, wie wertvoll Thilo Leugers für den SVM noch werden könnte.

Und wohin es diese Mannschaft noch treiben würde: zu einem Team, im wörtlichen Sinne, das die Zuschauer wieder anzieht. Zur Meisterschaft. Zum Aufstieg. Zu etwas, das für die Ewigkeit bleibt.

Unbestritten aller fußballerischen Fähigkeiten: Thilo Leugers ist jemand, mit dem sich das ganze Emsland identifizieren kann. Ein Emsländer mit allen positiven Eigenschaften dieser Region.

Blutgrätsche und Zauberpass

Jemand, der Spaß am Fußball haben und zeitgleich um jeden Preis gewinnen will. Jemand, der mit dem dreckigsten Trikot vom Platz kommt und trotzdem noch zwei Zauberpässe gespielt hat. Und jemand, der so bescheiden ist, dass er diese Zeilen niemals über sich lesen wollen würde.

Mit seiner Vertragsverlängerung geht er – mal wieder – voran. Meppen kann mit ihm rechnen. Es zeigt, dass die Verantwortlichen nicht bis zum nächsten Wochenende denken. Dass sich etwas Langfristiges entwickelt. Dass der Aufstieg noch nicht das Ende war. Die Unterschrift Leugers’ ist jetzt ein enormes Zeichen an die Mannschaft. Ein Signal an alle Teamkollegen, die zurzeit noch keinen Vertrag über den Sommer hinaus haben. Zu diesem Zeitpunkt die beste Nachricht für den gesamten Verein.

Auf Leugers folgt Vrzogic

Keine 24 Stunden nach der Leugers-Verlängerung legt der Verein mit David Vrzogic nach. Auch er bleibt bis 2020. Auch er setzt ein deutliches Zeichen. Im Emsland fühlt man sich pudelwohl. Illustre Namen wie Borussia Dortmund, Bayern München oder Dynamo Dresden stehen in seiner Vita, doch in Meppen beziehungsweise wohl eher im Umkreis scheint er sesshaft werden zu wollen. Dabei hatte er zu Beginn gar nicht den einfachsten Stand. Es gibt dankenswertere Aufgaben für einen Neuzugang, als in Konkurrenz zu Dauerbrenner Sebastian Schepers zu treten. Dass Vrzogic dem Publikumsliebling so schnell den Rang ablaufen und dabei auch noch die Zuschauer völlig überzeugen konnte, ist seine größte Leistung.

Auch wenn er zuletzt häufiger auf der Bank saß – seine Dienste werden in dieser Saison mit Sicherheit noch oft genug benötigt. Dass auf ihn Verlass ist, wenn er auf dem Platz steht, hat er stets bewiesen.

T.A. & H.N.

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