SV Meppen macht (wieder) Laune

Zugegeben: An dieser Stelle blieb es in den letzten Wochen ganz schön ruhig. Dabei hätte es ja genug Geschichten zu erzählen gegeben. Die schmerzhafte Derbypleite in Osnabrück etwa, eines der wahnwitzigsten Comebacks der Meppener Fußballgeschichte vor zwei Wochen oder das Last-Minute-Geschenk in Aalen. Vielleicht war schlichtweg das Erstaunen zu groß, wie der SV Meppen in diesen Tagen auftritt und das Feld der 3. Liga nach und nach von hinten aufrollt.

Drei Monate ist es her, dass der SVM vor heimischer Kulisse an einem tristen Novembertag mit 2:3 gegen Karlsruhe unterlag. Das Ergebnis schmeichelte dem Spielverlauf, nach besorgniserregender Leistung wütete der Mob in den Internet-Kommentarspalten gegen Spieler und Trainer in einer Art und Weise, die man in Meppen länger nicht erlebt hatte. Dass der Großteil des Kaders am selben Abend noch in diversen Lokalitäten der Meppener Innenstadt auflief, sorgte bei dem ein oder anderen Beobachter ebenfalls für teilweise lautstark vorgetragenes Unverständnis. Vielleicht mag sich die Aktion aber auch ausgezahlt haben.

Tore, Tore, Tore…

Neun Spiele und 19 Punkte später sorgt der SV Meppen passenderweise bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen wieder für Begeisterung auf den Tribünen des Emslandstadions. Selbst kühnste Optimisten hätten einen solchen Lauf, der mit dem 3:0-Sieg gegen Energie Cottbus am Samstag seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, wohl nicht für möglich gehalten. Der Lohn: (Vorerst) Platz 11, 31 Zähler (das sind „nur“ vier weniger als im famosen letzten Jahr nach 24 Spieltagen!), ein ausgeglichenes Torverhältnis, sieben Punkte (dank des Torverhältnisses quasi acht!) Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und die fünftbeste (!!) Offensive der Liga. Nach den ersten zwei Saisonspielen hatte sich der ein oder andere noch gefragt, wer um Himmels willen in diesem Jahr die Tore schießen soll.

Das Glück ist zurück beim SV Meppen. Über die Last-Minute-Pleiten der Hinserie ist genug geschrieben worden. Ganz gleich, ob gegen Uerdingen und Aalen die Ergebnisse vom Spielverlauf in Ordnung gingen – wer in letzter Sekunde das Siegtor erzielt, hat natürlich auch etwas Glück. Und das hat sich auch gegen Cottbus fortgesetzt. Gewiss ist das 3:0 ein klares Ergebnis und geht auch in der Form in Ordnung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Erik Domaschke beim Stand von 0:0 einen herausragenden Fußreflex auspacken musste, um die Gästeführung zu verhindern und dass Streli Mamba nach der Pause, als der SVM noch nicht wieder richtig wach wirkte, eben nur den Pfosten traf. Dass in dieser Liga allzu häufig nur Nuancen über Sieg, Unentschieden oder Niederlage entscheiden, haben wir schon selbst des Öfteren am eigenen Leib erfahren – und da hatte auch Energie-Trainer Pele Wollitz ausnahmsweise mal recht.

Winter-Transfers zahlen sich aus

Und wieder einmal scheint die sportliche Führung ein gutes Händchen bei den Winter-Transfers gehabt zu haben. Um das noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: In den letzten Jahren kamen im Winter unter anderem Dennis Geiger, Jovan Vidovic, Marcel Gebers oder zuletzt Luka Tankulic, der von der Lotter Tribüne eine herausragende Rückserie spielte. Nach zwei respektive drei Spielen sollte man noch kein vorzeitiges Fazit ziehen, aber Marcus Piossek und Rene Guder haben schon jetzt angedeutet, dass sie der Mannschaft absolut helfen können und für mehr Variation im Angriff sorgen. Guder dürfte sogar noch schneller als Marius Kleinsorge sein und war zudem gegen Cottbus mit zwei exzellenten Hereingaben maßgeblich am 2:0 und 3:0 beteiligt, die Piossek schließlich eiskalt vollendet hat. Torgefährlichkeit von der Zehnerposition ging dem SV Meppen in der Vergangenheit durchaus ab. Über Piosseks grundsätzliche Qualität muss man zudem angesichts von 231 Drittligaspielen nicht diskutieren.

Da ist es schon fast eine Schande, dass jemand wie Deniz Undav derzeit nur als Edeljoker eingesetzt wird. Auch wenn das Spiel bereits entschieden war, hat er der Partie gegen Cottbus nach seiner Einwechslung noch einmal seinen Stempel aufgedrückt. Immer anspielbereit, körperlich präsent und stets mit klugen Ideen wie dem Zuspiel auf Leugers vor dem Handspiel Hemmerichs, das eigentlich einen Elfmeter und die Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen. Es macht einfach Spaß, dem Jungen beim Kicken zuzusehen – schade, dass er in der Nachspielzeit noch eine völlig überzogene Verwarnung kassierte und sich die Reise nach Rostock deshalb schenken kann.

von Haacke wird immer besser

Lob gebührt aber auch dem Rest der Mannschaft. Marco Komenda und Steffen Puttkammer wirken – den Slapstick beim 0:2 gegen Uerdingen mal außer Acht gelassen – immer besser aufeinander abgestimmt. Mehrere Spiele in Folge über 90 Minuten nebeneinander machen zu können, wirken sich zweifelsohne positiv aus. Auf der Doppelsechs machen zudem der in Aalen überragende Thilo Leugers und der immer besser werdende Julian von Haacke derzeit einen richtig starken Job. Gerade bei von Haacke ist seit einiger Zeit eindrucksvoll zu erkennen, warum er eigentlich einem Zweitligisten angehört. Die glänzende Torquote von Nick Proschwitz ist inzwischen jedem bekannt.

Der SV Meppen macht in diesen Tagen wieder richtig Laune. Ein drittes Jahr in der 3. Liga scheint mittlerweile wieder absolut realistisch. Zu gefestigt tritt das Team inzwischen auf, zu stark ist es eigentlich in der Offensive. Die anderen Teams im Tabellenkeller würden sich nach derartiger Qualität und Quantität die Finger lecken. Klar ist aber auch: 31 Punkte sind eine tolle Zwischenbilanz, werden aber nicht zum Klassenerhalt reichen. In Rostock kann gleich nachgelegt werden.

HN

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