Stolz

„Der Stolz ist die Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben.“

So definiert die Wikipedia den Begriff „Stolz“. Mit Fug und Recht darf behauptet werden: Nach dem 0:0 beim 1. FC Magdeburg konnten Spieler, Trainer- und Betreuerstab sowie die Meppener Anhänger sagen: „Heute sind wir stolz.“

Ein Spiel zum Vergessen

Schon einmal, nämlich vor rund sechs Jahren spielten wir in Magdeburg. Es war das trostlose Duell zweier Kellerkinder in einer Regionalliga-Saison, in der man um die goldene Ananas spielte, weil es keine Absteiger gab. Lediglich 2300 Zuschauer, darunter vielleicht 150 Meppener, verirrten sich damals in das Heinz-Krügel-Stadion. Auf den Rängen glich die Stimmung auch aufgrund eines Magdeburger Boykotts einem Totentanz, auf dem Rasen entwickelte sich eines der fürchterlichsten Fußballspiele der jüngeren Vereinsgeschichte, welches – wie sollte es auch anders sein – folgerichtig ohne Tore endete.

Auch am Samstag fielen keine Tore. Und doch war alles komplett anders.

Über 16000 Zuschauer sorgten – abgesehen von den ersten zwölf Minuten – für eine fantastische Stimmung. Und das lag nicht nur an den Magdeburger Anhängern, die im August bei ihrem Gastspiel in Meppen einen denkwürdigen Auftritt hingelegt hatten, sondern auch an den mitgereisten Emsländern. Rund 1000 dürften es gewesen sein. Eine beeindruckende Zahl, die auch in Magdeburger Kreisen mit einer Mischung aus Respekt und Erstaunen honoriert wurde. Einziger Wermutstropfen waren mal wieder ein paar Unbelehrbare, die sich derart aus dem Leben schießen mussten, dass sie zum Teil sogar Stress gegen andere SVM-Anhänger angezettelt haben. Geht’s eigentlich noch?

Stabile Defensive

Fußball wurde aber auch gespielt, wobei spielerische Lösungen auf dem seeehr dürftigen Rasen ohnehin eher Mangelware waren. Na klar hatte Magdeburg ein optisches Übergewicht und, na klar, hatten sie ein leichtes Chancenplus. Dennoch war es – wie schon gegen Münster – von Meppener Seite erneut beeindruckend, wie stabil die Defensive bis auf vereinzelte Szenen stand. Auch weil sich Steffen Puttkammer an seiner alten Wirkungsstätte augenscheinlich pudelwohl fühlte und sein wohl bestes Spiel im SVM-Dress ablieferte.

Zu keiner Zeit wirkte es so, als würde der Magdeburger Druck jetzt so groß werden, dass der Treffer nur noch eine Frage der Zeit ist. Nur noch mal zur Klarstellung: Wir reden von einem Team, das zuvor neun von elf Heimspielen gewonnen hatte, bei einer Tordifferenz von 21:6.

Granatowskis Riesenchance

Mit etwas mehr Glück wären letztlich sogar drei Punkte im Bereich des Möglichen gewesen. Denn vor allem die Chance von Nico Granatowski im ersten Durchgang, dürfte wohl die beste Torchance im gesamten Spiel gewesen sein. Der Nachschuss hätte eigentlich sitzen müssen, doch leider traf er den Ball nicht richtig. Bei Benjamin Girths Möglichkeit in der zweiten Hälfte reagierte Jan Glinker im FCM-Tor glänzend – schade, dass Girth das Leder recht zentral aufs Tor gebracht hat. Die Hereingabe war allerdings alles andere als leicht zu nehmen.

Geschenkt – den einen Punkt hätte im Vorfeld wohl jeder unterschrieben. Dementsprechend: Wer bei einem der besten Teams der Liga so auftritt, darf auf jeden Fall stolz auf sich sein. Klar ist aber auch: Das bedeutet nicht, dass man jetzt in Bequemlichkeit verfallen darf. Dass das passiert, dürfte angesichts des bisherigen Saisonverlaufs allerdings sehr unwahrscheinlich sein. Stattdessen ist mit der gleichen Leidenschaft wie in den letzten beiden Spielen auch am Samstag gegen Rostock wieder was drin.

H.N. (Foto: T.A.)

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