Schmidts letzte Chance?

Würzburgs neuer Trainer kämpft mit seinen Worten aus dem Jahr 2013

„Ich werde in der Bundesliga trainieren. Das ist Fakt.“ Mit diesen beiden Sätzen sorgte Stephan Schmidt im Jahr 2013 im Dokumentarfilm „Trainer!“ von Aljoscha Pause für Aufsehen. Die (großartige!*) Dokumentation begleitete damals über ein Jahr Stephan Schmidt (damals beim SC Paderborn), Frank Schmidt (Heidenheim) und Andre Schubert (damals St. Pauli) und gab einen seltenen und außergewöhnlichen Einblick hinter die Kulissen des Profifußballs.

Vier Jahre später hat Frank Schmidt aus Heidenheim inzwischen einen gestandenen Zweitligisten gemacht und Schubert führte zwischenzeitlich Borussia Mönchengladbach in die Champions League. Stephan Schmidt ging dagegen gezwungenermaßen den anderen Weg. Seit diesem Sommer ist der 40-Jährige Trainer bei den Würzburger Kickers und feiert somit am Samstag sein Debüt in Meppen. Es könnte Schmidts letzte Chance sein, den starken Worten aus dem Jahre 2013 auch Taten folgen zu lassen.

Scheitern in der zweiten Liga

Der gebürtige Berliner trainierte zwischen 2009 und 2012 die U19 des VfL Wolfsburg, mit der er 2011 die deutsche Meisterschaft feierte. Ein Jahr später trat der mit vielen Vorschusslorbeeren behaftete junge Coach in Paderborn sein erstes Amt als Cheftrainer einer Herrenmannschaft an. Der Start verlief ordentlich, doch je länger die Saison dauerte, desto schwächer wurden die Paderborner Leistungen. Nach sechs Spielen ohne Sieg wurde Schmidt schließlich am 32. Spieltag in Abstiegsgefahr entlassen – und hielt somit nicht einmal eine komplette Saison durch.

Ein halbes Jahr später öffnete sich für den Coach aber mit einem Angebot von Energie Cottbus die nächste Tür in der zweiten Liga. Doch das Gastspiel in der Lausitz endete in einem einzigen Desaster. In neun Spielen holte Energie nur einen mickrigen Zähler, das Intermezzo war nach nicht einmal vier Monaten schon wieder vorbei.

Rückkehr in den Jugendbereich

Immer wieder flogen Schmidt gerade aus Fan-Kreisen in dieser Zeit auch seine Worte aus dem bereits angesprochenen Film um die Ohren. Zu weit schienen Anspruch und Wirklichkeit bei dem Coach auseinanderzuliegen, das starke Ego stand in völligem Gegensatz zu seinen Ergebnissen. Schmidt legte eine Pause ein – und kehrte im Sommer 2015 auf die Trainerbank zurück. In den Jugendbereich. In die U16 des FC Schalke 04.

Bei der Knappenschmiede konnte Schmidt wie schon in Wolfsburg überzeugen. Nach dem ersten Jahr übernahm er die U17 in der Bundesliga und gewann mit ihr überlegen die Weststaffel. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft erwies sich der FC Bayern dann aber als zu stark. Doch die gute Saison blieb auch dem ein oder anderen Proficlub nicht verborgen. Nachdem sich die Wege der Würzburger Kickers und dem langjährigen Trainer Bernd Hollerbach nach dem Abstieg in die 3. Liga trennten, verpflichteten die Unterfranken schließlich Schmidt.

Mit Würzburg will Schmidt nochmal angreifen

Angesichts von 16 Ab- und Zugängen wartete bei den Kickers gleich ein Haufen Arbeit auf den neuen Trainer. Die Würzburger Fans werden sich voraussichtlich auch erst einmal an das runderneuerte Gesicht ihres Vereins sowohl auf dem Feld als auch auf der Trainerbank gewöhnen müssen. Doch bislang scheint es, als finde Schmidt schnell den Zugang zu seinem neuen Team. Immerhin machte ein 3:0-Testspielerfolg gegen Bayer Leverkusen Lust auf mehr.

In verschiedenen Interviews hat Schmidt in der Vergangenheit erklärt, aus seiner Zeit in Paderborn und in Cottbus gelernt zu haben. Ab Samstag können sich die Fußballfans selbst ein Bild davon machen. Dass der dritte Schuss im Herrenbereich sitzen sollte, wird auch Schmidt wissen.

*Wer die Dokumentation noch nicht gesehen hat, dem sei sie wirklich dringend ans Herz gelegt. Pause drehte zuvor unter anderem den Dokumentarfilm „Tom meets Zizou“ mit Thomas Broich.

von H.N.

(Foto: Screenshot/wuerzburger-kickers.de)

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