„Mir hat die Routine gefehlt“

Seit Sommer steht Erik Domaschke zwischen den Pfosten beim SV Meppen. Nach anfänglicher Skepsis konnte der Neuzugang die von Publikumsliebling Benjamin Gommert hinterlassene Lücke schließen. Vor dem Spiel bei seinem Ex-Klub Rot-Weiß Erfurt haben wir mit ihm gesprochen.

Hallo Erik! Nach zwei Jahren in Erfurt hast du dich im Sommer zu einem Wechsel nach Meppen entschlossen. Wie kam der Kontakt zustande?

DOMASCHKE: In den Relegations-Spielen hat man gesehen, dass Meppen guten Fußball spielt. Ich hatte den Verein also schon auf dem Schirm, zumal wir im Trainingslager in Belek damals gegeneinander gespielt hatten. Da gab es aber noch keinen Kontakt. Als klar war, dass Philipp Klewin in Erfurt verlängert, habe ich meinen Berater gebeten, mir etwas Neues zu suchen. Von ihm standen bereits zwei Spieler in Meppen unter Vertrag (Benjamin Girth und Marius Kleinsorge, Anm. d. Red.). Die Gespräche verliefen gut, es war eine Sache von ein, zwei Tagen. Die Entscheidung bereue ich nicht.

Wie hat dich die Mannschaft aufgenommen?

DOMASCHKE: Für neue Spieler ist es oft schwer in eine funktionierende Mannschaft zu kommen. Die Jungs haben es mir aber sehr leicht gemacht und mir sogar bei der Wohnungssuche geholfen. Ich habe mich nach zwei Wochen in Meppen wohler gefühlt, als nach einem Jahr in Erfurt. Und auch meine Frau war zufrieden, das ist das Wichtigste.

In den ersten drei Spielen gab es lediglich einen Punkt. Im Internet war von Fans mehrfach zu lesen, dass du unsicher wirkst. Schaut man als Spieler auf solche Kommentare?

DOMASCHKE: Das habe ich mir abgewöhnt. Als junger Spieler habe ich das getan und versucht, gewisse Dinge anders zu machen. Aber damit macht man sich nur verrückt. Ich hatte ein Jahr lang gar nicht gespielt. Da fehlte einfach die Routine, das hat man in den ersten Spielen auch gesehen. Ich glaube aber schon, dass ich das Vertrauen des Trainers zurückgezahlt habe und ein guter Rückhalt für die Mannschaft bin.

In der Tat hast du dich spürbar gesteigert und unter anderem gegen Osnabrück, Karlsruhe oder Wiesbaden dank toller Paraden die Siege festgehalten. Gab es für dich in dieser Saison bisher ein besonderes Highlight?

DOMASCHKE: Der 2:0-Sieg gegen Karlsruhe war auf jeden Fall ein Highlight. Auch weil ich mit meiner Frau eine kleine Wette am Laufen habe. In Wiesbaden habe ich selbst gespielt, wenn man dann eine gute Leistung bei seinem alten Verein abruft, ist es besonders schön.

Augenblick – was hat es mit der Wette auf sich?

DOMASCHKE (lacht): Ach, immer wenn ich einen Elfmeter halte, muss sie sich ein Tattoo stechen lassen. Also wir reden nicht von einem Elfmeter in einem Testspiel, sondern schon von einem wichtigen, wo wir dann auch das Spiel gewinnen. Und das war gegen Karlsruhe der Fall.

Blicken wir auf das kommende Spiel. Bei deinem Ex-Klub Erfurt geht es derzeit drunter und drüber. Was bekommst du von dem Chaos mit?

DOMASCHKE: Man liest ja eine Menge und eigentlich jeden Tag etwas Neues. Es ist wirklich traurig, was derzeit bei diesem großen Ostverein passiert. Die Zahlen scheinen nicht zu stimmen. Erst tritt der Präsident ab, dann kehrt er wieder zurück, dann tritt er erneut zurück. Das ist schon heftig.

Hast du von den Problemen in deiner aktiven Zeit in Erfurt etwas mitgekriegt?

DOMASCHKE: Nein, mich hat das schon überrascht. Es hieß immer, dass es finanziell gut aussieht.

Hast du noch Kontakt zu dem ein oder anderen Spieler?

DOMASCHKE: Ja, vor allem mit Christoph Menz unterhalte ich mich häufiger. Zumal wir auch den gleichen Berater haben. Da tauscht man sich schonmal aus. Am Samstag muss die Freundschaft aber für 90 Minuten ruhen. Das ist ganz normal und war gegen Großaspach mit Timo Röttger, mit dem ich zusammen in Leipzig gespielt habe, genauso.

Schauen wir nochmal zurück: 2005 hast du ein Länderspiel für die U20 absolviert und durftest sogar an der Weltmeisterschaft in den Niederlanden teilnehmen. René Adler und Philipp Tschauner, die jetzt beide Bundesliga-Torhüter sind, waren ebenfalls dabei – genau wie die ehemaligen Meppener Thomas Bröker und Francis Banecki.

DOMASCHKE: Das war eine tolle Erfahrung. Im Kader standen damals auch Christian Gentner und Marcell Jansen, da hat man sich natürlich das ein oder andere abgeguckt. Einige andere die mit dabei waren, sind aber auch völlig von der Bildfläche verschwunden. Und mit René Adler habe ich schon in der Jugend zusammengespielt, damals noch als Libero…

…wie bitte?

DOMASCHKE (lacht): Ja, wir haben beide beim VfB Leipzig in der Jugend gespielt. Ich war Libero und spielte quasi vor ihm. René war damals schon das Ausnahmetalent und hat dann schnell eine Altersklasse höher gespielt. Ich kam erst in der D-Jugend ins Tor.

Hast du noch Kontakt mit ihm? Immerhin wart ihr auch in Leverkusen Teamkollegen.

DOMASCHKE: Man schreibt sich sporadisch zum Geburtstag, ansonsten bleibt da wenig Zeit zu. Im Trainingslager in Belek hatten wir mal die Zeit, einen Kaffee zu trinken, aber das wars.

Bei RB Leipzig warst du 2013/2014 zunächst Ersatztorhüter und bist dann in die Mannschaft gerutscht, als sich Fabio Coltorti verletzte. Nach einigen Spielen hast du dir das Kahnbein gebrochen und warst schließlich beim Aufstieg in die 2. Liga nicht mehr erste Wahl. Denkt man daran besonders ungerne zurück?

DOMASCHKE: Ach, ich glaube, dass Coltorti nach seiner Rückkehr so oder so wieder ins Tor gekommen wäre. Er war gesetzt. Für mich ist es aber natürlich dumm gelaufen. Der Verein hat nach dem Aufstieg aussortiert und zu den Spielern gehörte auch ich. Aber auch solche Erfahrungen machen einen stärker.

Du spielst immer mit einem Mundschutz. Was in anderen Sportarten Gang und Gäbe ist, ist im Fußball eher ungewöhnlich. Hast du schlechte Erfahrungen gemacht, oder wie kommt das?

DOMASCHKE: Ich habe bereits in Wiesbaden damit gespielt, den Mundschutz dann aber irgendwann verloren. Dann gab es eine Phase, in der ich in Erfurt mehrfach den Ball gegen das Kinn bekam und immer wieder zum Zahnarzt musste. Das hat genervt. Ein ehemaliger Kollege hat schließlich einen gegnerischen Ellenbogen ins Gesicht bekommen, wodurch sich der Schneidezahn von innen in den Mund bohrte. Da habe ich mich dazu entschieden, wieder den Mundschutz zu nutzen. Da ist es mir auch egal, wie das im Spiel aussieht. Hauptsache ich kann noch vernünftig lächeln, wenn ich mit Freunden unterwegs bin.

Wie würdest du dich selbst als Torhüter charakterisieren?

DOMASCHKE: Ich habe das Glück, dass ich eigentlich sowohl die alte und neue Torwartschule erlebt habe. Früher ist man viel geflogen. Gerade in Leipzig aber auch in Kassel wurde aber auch viel Wert auf die fußballerische Ausbildung gelegt. Ich sehe mich eigentlich gut aufgestellt.

Die Stimmung in Meppen ist so gut wie lange nicht. Gegen Osnabrück war das Stadion ausverkauft, in Lotte waren 4000 Fans. Hast du dir sowas vor deinem Wechsel vorstellen können?

DOMASCHKE: Schon in der Relegation hat man ja gesehen, dass hier viel los ist. Osnabrück und Lotte waren zwei Highlights. In Lotte kam ich aus dem Tunnel raus und war völlig geflasht. Die Stimmung war überragend und davor ziehe ich meinen Hut. Am Anfang des Spiels kriegt man sowas als Spieler auch besonders mit. Danach bin ich aber im Tunnel.

Platz 9 und 26 Punkte hätten vermutlich die wenigsten vor der Saison erwartet. Setzt man sich intern schon neue Ziele?

DOMASCHKE: Nein, das Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt. Wir wollen alles versuchen, dass wir noch im Winter die 30-Punkte-Marke knacken. Da werden die nächsten beiden Spiele richtungsweisend. Aber man sieht durch die Ergebnisse bisher auch, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. Anders als zum Beispiel in der Bundesliga.

H.N.

Das könnte dir auch gefallen

Kommentar verfassen