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Zufriedene Gesichter, wohin man während der Mitgliederversammlung auch blickte. Doch die Stimmung trübte ein organisatorischer Fehltritt.

 

»Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen«, soll Winston Churchill 1947 vor dem britischen Unterhaus gesagt haben. Ha, mag man leise schmunzeln, folgt doch nach dem ersten Schreck ein Relativsatz, der der Demokratie dann doch die nötige Ehre erweist. Leider ist das Zitat so nicht ganz richtig. Wer ins Sitzungsprotokoll schaut, findet folgenden Satz: »Die Demokratie ist die schlechteste Staatsform, ausgenommen all diese anderen, die man von Zeit zu Zeit ausprobiert hat.« Aha, mag man jetzt ausrufen! Die Demokratie ist zwar immer noch klasse, aber für Churchill war es gar nicht die beste Staatsform. Nur kennen wir, wohl bis heute, eben keine bessere.

 

Um den politischen Exkurs nicht extrem zu überspannen und da der Blick in die Historie nur als Einstieg für diesen Text dienen sollte, kommen wir schnell zum Punkt. Und halten fest, dass das Wichtigste an einer Demokratie noch immer der freie Wähler ist.

 

Prima Job!

 

Gestern Abend wurde im Kolpinghaus von Meppen viel abgestimmt. Vorstände wurden entlastet und wieder neu eingestellt (Andreas Kremer, Stefan Gette, Heiner Beckmann und Heinz Speet). Der Ehrenrat (Alois Broekmann, Rolf Augustin, Helmut Stöckelmann und Wilfried Heckmann) und ihr Sprecher (Peter Weser) bestimmt. Der Verwaltungsrat (Matthias Kues, Heinz Hackmann, Alexander Bölle) ein bisschen verändert (Karl-Manfred Stühlke ist neu hinzugekommen). Und kurzgesagt waren sich alle einig, dass die, die zurzeit beim SV Meppen in der Verantwortung stehen, einen tollen Job machen.

 

Das ist sogar unabhängig vom sportlichen Ergebnis, auch wenn die aktuelle Situation der 1. Herren natürlich alles in den Schatten stellt. Zudem ist auch das Jugendleistungszentrum zurzeit hocherfolgreich. A- und B-Jugend sowie die Nachwuchself haben Aufstiegschancen. Die C-Jugend ist bisher zwar chancenlos, muss sich aber auch in der Regionalliga – der höchsten Spielklasse – beweisen. Und auch der Frauenfußball ist makellos. Die Abteilung freut sich auf den Pokalkracher am 3. Dezember gegen den FC Bayern.

 

Die Finanzen stimmen

 

Viel wichtiger: die Finanzen stimmen! Und wer zurzeit ein wenig über den Tellerrand des Emslands hinwegblickt, wird merken, dass das keinesfalls selbstverständlich ist. Bei Rückfragen stehen u.a. der VfL Osnabrück oder Rot-Weiß Erfurt sicher beratend zur Verfügung. Der Etat des SV Meppen liegt bei vier Millionen Euro. 3,2 Millionen sind allein für die Dritte Liga verplant. Zuletzt konnte der SVM mit einer schwarzen Null, sogar mit einigen ganz kleinen Rücklagen, aus dem Geschäftsjahr gehen. Kurzum: Die Rechnung geht auf!

 

Also, alles top gestern Abend? Mitnichten! Denn im Fanforum machte sich der Frust breit. Zwar hatte der Verein satzungsgemäß eine Ankündigung in der Meppener Tagespost hinterlassen und auch im Vereinmagazin Neunzehn12 auf die Versammlung hingewiesen. Trotzdem haben viele interessierte Mitglieder erst viel zu spät von der Jahreshauptversammlung erfahren.

 

Nur 74 Anwesende

 

Dass nur 74 von 1.303 Mitgliedern den Weg ins Kolpinghaus gefunden haben, zeigt: irgendetwas ist da schief gelaufen.

 

Natürlich, wer dem Verein seit Jahren die Treue hält, weiß, dass die Versammlung meist kurz vor Jahresende stattfindet. Ein genaues Datum kann trotzdem niemand erraten. Säuerlich stößt auf, dass der Verein, der auf den Sozialen Kanälen jeden Ticketverkauf anpreist, jedes Livespiel im Kinosaal ankündigt und auch die eSports-Sparte nie vergisst, es ausgerechnet verpasst, die Mitgliederversammlung anzukündigen. Dass der Nachbericht mit den Worten »Mensch, das war doch gestern harmonisch…« beginnt, hat in diesem Zusammenhang ebenfalls ein Geschmäckle.

 

Denn gerade in diesem Moment, nach dem Aufstieg in die 3. Liga, in dem sich der Verein so schnell wie vielleicht nie zuvor verändert, ist die Einbindung seiner Mitglieder wichtiger denn je. Und: der SV Meppen ist mehr als 3. Liga. Er ist auch B-Platz, die Dritte und F2-Jugend. Auf der Jahreshauptversammlung besteht die Gelegenheit, um sich auszutauschen und nachzudenken.

 

Satzung überdenken

 

Ein Drama ist das noch lange nicht. Kleine Fehler passieren mal. Damit sich aber Theorien wie »Ich vermute dahinter ein klares Kalkül« aus dem Forum nicht nähren, sollte der Verein in Zukunft seine Satzung in dieser Position vielleicht überdenken. Damit auch der letzte Bürger zur Wahl gehen kann.

 

T.A. 
Foto: Nikita Teryoshin / 11Freunde

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