Love like a bomb

Fünf Spiele in der dritten Liga. Bis zu Saisonbeginn dachten wir, dass spätestens jetzt, genau zu diesem Zeitpunkt, die Krise längst Meppen erreicht hätte. Es ist ganz anders gekommen.

Es war im letzten Winter, da standen wir, innerlich zerrissen zwischen glücksbesoffen und, nun ja, einfach nur besoffen, an der Theke. Und neben uns Thilo Leugers. Keine Einbildung, er stand dort wirklich, und wir sprachen über Fußball – und den SV Meppen. Es war vielleicht nach dem 5:0 gegen Eichede, oder dem 3:1 gegen Lupo-Martini Wolfsburg. So ganz genau, wissen wir es nicht mehr. Was wir aber noch wissen, sind die Sätze, die wir sagten. Dass es endlich wieder Spaß macht, den SV Meppen zu sehen. Dass die Truppe so wirkt, als hätte sie auch selbst Spaß daran. Und dass es egal sei, ob sie aufsteigen würden. Hauptsache dieser Fußball bliebe.

Das Flirren in der Stadt

»Wisst ihr was?«, sagte Leugers, »genau das ist unser Ziel. Dass die Menschen sich wieder freuen, uns spielen zu sehen.« Und damit nahm der ganze Wahnsinn seinen Lauf.

Die Herbstmeisterschaft. Das 2:1 gegen den VfB Lübeck, nachdem eigentlich schon allen klar war, dass es genau das jetzt war. Dass dieser SV Meppen es einfach verdient hatte, es wenigstens zu versuchen. Die Relegation. Das Flirren in der Stadt in den Tagen bevor endlich angepfiffen wurde. 2.000 Meppener in Mannheim. Dramatische 90 Minuten. Und als schon hier kaum noch denkbar war, dass womöglich und sofort ein noch größerer Höhepunkt warte, da fanden wir uns schon im Elfmeterschießen wieder.

Die Nacht, die darauf folgte, war der Sommer, den Meppen nie hatte.

Schon am nächsten Tag war klar, dass es jetzt, hier in der 3. Liga, alles anders werden müsste. Diese ganzen Auflagen und Tribünenpläne. Und die Jugendarbeit. Und die mangelnde Infrastruktur sowieso. Wer sich umhörte, der hätte denken können, dass ein Großteil der Spieler sowieso aussortiert gehört.

Teil dieser Masse sein

Und jetzt stehen wir hier, nach fünf Spieltagen, sind Zehnter und wissen nicht, welcher Moment die irrste Gänsehaut hervorrief. Überhaupt, der Start gegen Würzburg, der nahezu perfekte Start, unterbrochen nur von wenigen nachlässigen Minuten. Oder als tausende Emsländer in Münster einbrachen. Ist doch egal, das Ergebnis, alles was zählte, war nur das Gefühl. War es die Gier, gegen Magdeburg endlich etwas zu bewegen. Nein, es war ganz sicher dieses Traumtor gegen Rostock. Als wir mit 300 Fans im Block standen gegenüber einer Masse aus Rostock, die nicht wusste wie ihnen geschah. Wir wollten nur zur Mannschaft, ein Teil dieser wunderschönen Jubeltraube sein. Und irgendwie waren wir das.

Oasis hätte davon gesungen, wie sehr du uns anmachst, SVM, dass die Liebe wie eine Bombe ist, die unsere Köpfe sprengt. Aber wir, wir konnten nur brüllend die Treppen hinunterlaufen.

Was zählt sind die Erlebnisse

Aber das war noch nicht das Ende. Am letzten Freitag spielte genau diese Mannschaft den vielleicht besten Fußball, den das Emslandstadion seit langer Zeit gesehen hat. Nicht spektakulär, sondern abgeklärt. Selbstverständlich. In Meppen herrscht keine Krise, ganz im Gegenteil. Und das liegt nicht an den Ergebnissen, nein, es liegt an den Erlebnissen.

Was auch immer die Trainer mit diesen Spielern gemacht hat oder die Mannschaft mit sich selbst. Sie ist wieder das gleiche Kollektiv. Wenn sich der Spielertunnel öffnet, dann spüren wir keine Angst. Nur das Bewusstsein, dass sich jeder für jeden zerreißen wird. Vielleicht gibt es heute keinen guten Fußball, keine Siege, aber jeder Auftritt ist ein Liebeslied.

Der SV Meppen hat sich nicht verraten. Er hat einfach damit weitergemacht, den Menschen Freude beim Fußball zu bereiten. Das wird nicht immer reichen. Damit wird es auch mal richtig auf die Fresse geben. Bestimmt 500 wollen das auch wieder am Freitag sehen. Und die Hölle wird sich öffnen, wenn Osnabrück kommt. Schon nach fünf Spielen ist klar, dass das egal sein wird. Wenn die Mannschaft weiterhin so auftritt, dann gibt es nichts zu mäkeln, nur den Moment mitzunehmen. Denn in dieser Art wird der SV Meppen auch in der nächsten Saison wieder 3. Liga spielen. Kleine Stadt, starkes Team eben.

Neue Helden

Wer ins Stadion kommt, der kann spüren, wie die alten Legenden ein bisschen verblassen. Zumindest in den Hintergrund rücken. Denn es gibt jetzt neue Helden, die unsere Köpfe sprengen.

T.A. 
(Foto: Nikita Teryoshin / 11FREUNDE)

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