Licht und Schatten

Wer nur ein kleines bisschen verspätet ins Stadion kam, hätte am liebsten gleich wieder den Rückweg angetreten. Geht natürlich nicht. Und deshalb verfolgten gut 5.000 Zuschauer und einige Zuspätkommer, wie sich der SV Meppen beim 2:2 gegen Werder Bremen II aus einer misslichen Lage herauskämpfte und nach dem Spiel in Richtung Schiedsrichter zu weit ging. Aber der Reihe nach.

Zum Sport: Der Mannschaft muss ein Lob gemacht werden. Natürlich für ein sensationelles Jahr, für eine überragende Hinrunde und auch für ein ordentliches letztes Heimspiel. 2:2 gegen Bremen II, das ist angesichts der Tabellenposition erneut nicht zu viel. Aber: Der SVM ist seit fünf Spielen ungeschlagen. Und: im Vergleich zum teils blutleeren Auftritt in Erfurt war das in vielen Situationen energischer, griffiger und einfach besser.

Und das nach einer schockierenden Anfangsphase. Gelb für Thilo Leugers (4.) und Jovan Vidovic (6.) durch den kleinlich-pfeifenden Schiri Asmir Osmanagic. Frühes Gegentor (7.). Und vor allem die Verletzung von Benni Girth nach nur 75 Sekunden. Mit Blick auf den Spielverlauf ist schon die Frage erlaubt, wie der Verein reagieren will, falls sich der Top-Torjäger mal schwerer verletzen sollte. Handlungsbedarf im Winter?

Starkes Comeback

Doch das Team kämpfte sich zurück, biss um jeden Zentimeter und traf durch Kleinsorge nur wenige Augenblicke später zum 1-1. Starkes Comeback. Bis zur Pause ein gerechtes Ergebnis.

Die Führung durch Kapitän Martin Wagner war in der Entstehung ebenso glücklich wie das erste Tor. Der Schuss wirkte wie eine verunglückte Flanke, vor allem für Bremens Keeper Eric Oelschlägel. Beim 2:2 fiel der SVM defensiv zurück in Zeiten des Saisonstarts: mehrere Möglichkeiten, den Ball zu klären, wurden vergeben und Bremens Manneh bedankte sich. Hyseni, Deters und Gebers und ein starker Max Kremer hatten noch Möglichkeiten für den Sieg. In der Schlussphase war Meppen klar besser. Es half aber nichts. Mit dem Punkt kann man trotzdem gut leben.

Schieber, Schieber?

Vorzuwerfen ist der Mannschaft deshalb nur, nach der Führung etwas nachgelassen zu haben. Und in einem entscheidenden Augenblick nicht aufgepasst zu haben. Nur: hätte es dazu überhaupt kommen müssen?

Zum Schiedsrichter: Mit „Schieber, Schieber“-Rufen wurden Osmanagic und Kollegen verabschiedet. Doch wir müssen hier relativieren. Sicherlich sind einige Situationen falsch bewertet worden (u.a. Gelb an Leugers). In vielen anderen Fällen folgte der Schiri nur seiner kleinlichen und zum Kampfspiel unpassende Linie. Vidovic wurde mit Gelb ebenso früh bestraft wie Bremens Vollert für ein ähnliches Foul.

Eher pfeifbar

Vor allem aber: der Freistoß nach Foul von Gebers an Verlaat, das zum Ausgleich führte, war vertretbar. Verlaat bekommt Gebers Ellbogen über den Kopf gezogen. Völlig gleich, ob Gebers danach den Ball spielt, das wird nahezu immer gepfiffen. Wir sind jedenfalls sehr gespannt auf die Einschätzung von Babak Rafati bei liga3-online.de.

Bei den gelben Karten an den ausgewechselten Granatowski (fünfte) und Puttkammer (fünfte) wegen Meckerns. Das ist ebenfalls kein Verschieben des Schiedsrichters, sondern blöde Aktionen in emotionalen Situationen.

Zum Verein: Womit wir sogleich beim Verhalten des Vereins sind. Dass Coach Christian Neidhart wenige Augenblicke nach Abpfiff verbal nachtrat – geschenkt. Dafür waren es zu viele enge Schirientscheidungen, die bei einem Sportler vielleicht mal Frust auslösen.

Dass aber Vereinsvertreter oben in der Pressekabine sitzen und auf offiziellen Kanälen schreiben „Nach einer turbulenten zweiten Halbzeit holt der Schiedsrichter… äääääääh … sorry… holt der Gast aus Bremen einen Punkt in Meppen“ – das ist irgendwie ganz schön unangenehm. Dazu: gelöschte Kommentare, keinerlei Einsicht und ein Bärendienst ans Ehrenamt.

Lob und Danke!

Zum Schluss deshalb ein großes Lob und Danke: an jeden Fan, der den Verein heute auch mitgestaltet hat: mit dem Schneeschieber, als das Spiel auf der Kippe stand. Der SV Meppen funktioniert. Und es hat sich gelohnt. Der Platz bot die perfekte Grundlage für einen originalen emsländischen Fight – der unter einem peniblen Offiziellen nicht gänzlich zur Entfaltung kam.

 

T.A.
(Foto: Nikita Teryoshin // 11Freunde)

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