Licht, Schatten und Hoffnungsfunken

Was vom 0:0 zum Auftakt bleibt

In Pechschwarz liefen die Spieler des SV Meppen nach elf Wochen Sommerpause auf den Platz der Sportfreunde Lotte. Abgesetzt davon nur die silberglänzenden Nummern, Wappen und der Sponsorenname, und wenn die Sonne günstig stand, blendete das Silber noch so manchen Zuschauer auf den Tribünen. Das neue Auswärtstrikot des SVM, sinnbildlich für den Start in die Saison: Viel Licht, viel Schatten. Vor allem, ein 0:0 und ein erster Punkt für den Klassenerhalt.

Konservative Aufstellung

Dass es für den SVM auch in dieser Saison vorrangig um nichts anderes gehen wird, als um den Nicht-Abstieg, war auch im Vorfeld von den Verantwortlichen im Sermon kommuniziert worden. Erwartbar konservativ stellte Christian Neidhart deshalb die Startelf auf:

Gies – Amin, Komenda, Vidovic, Jesgarzewski – Leugers, Wagner – Granatowski, Tankulic, Kleinsorge – Wegner.

Und nach zehn Minuten gegen einen konfusen Gastgeber aus Lotte gewann man sogar den Eindruck, dass diese Mannschaft mit einem Sieg von der A30 fahren wird. Schon in dieser Phase ließ sich Leugers im Spielaufbau immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, Amin und Jesgarzweski schoben hoch und bauten gemeinsam mit Granatowski und Kleinsorge viel Druck auf außen auf. Wenn ein Duo ins Zwei-gegen-Zwei kam, beispielweise mit einem Doppelpass nach innen zog, wurde es für Lotte schon in der Anfangsphase immer wieder gefährlich.

Fußball im Konjunktiv

Danach fing sich Lotte, kam immer besser ins Spiel und es wurde auch klar, wie viel Risiko der SVM mit seiner Strategie fuhr. Wagner im Mittelfeld wurde häufig überspielt, dann standen manches Mal nur noch Vidovic, Leugers und Komenda zwischen Tor und der anrollenden Lotter Offensive.

Dass auf beiden Seiten die besten Chancen aus Standards resultierten, war trotzdem kein Zufall. Meppen fehlten aus dem Spiel heraus die Ideen, um gefährlich in den Strafraum einzuziehen. Abgesehen von einem wirklich wunderbaren Pass von Leugers per Heber auf Kleinsorge, der den Aufsetzer verzog, kam da oftmals zu wenig. Ganz so, als suche die Mannschaft genau den Stürmer, der vor wenigen Wochen schon seine Taschen packte, um gen Norden zu ziehen (und gestern am Seitenrand nur zuschauen konnte).

Was wäre also gewesen, wenn Kleinsorge getroffen hätte? Wenn Kleinsorge auch bei der zweiten Chance nicht den Pfosten, sondern das Tor getroffen hätte? Oder wenn Tankulic’ Freistoß kurz vor der Pause unter die Latte geknallt wäre?

So aber blieb es beim 0:0. Eines, das so auch in Ordnung ging.

Denn dem SVM fehlte es in der zweiten Halbzeit vor allem an Struktur. Jener Struktur, die in der ersten Halbzeit viel klarer zu erkennen war und in dieser Saison – auch ohne Benni Girth – sicher noch einige Male zum Erfolg führen wird. So kam man sich vor, als hätten die Spieler während der Pause eine fünfzehnminütige Krafteinheit hinter sich gebracht. Schwere Beine, viel zu viele Fehlpässe, kein Zug zum Tor.

Mann des Spiels stand zwischen den Pfosten

Am Ende also ein 0:0. Gegen einen Gegner, der angedeutet hat, dass er in diesem Jahr zum unteren Tabellendrittel zählen wird. Macht das euphorisch? Nein. Ist uns angst und bange? Ganz sicher nicht. Aber: Wenn am kommenden Sonntag das Derby angepfiffen wird, dann wird eine Leistungssteigerung und -konstanz notwendig.

Gegen Osnabrück und Uerdingen müssen erneut Punkte her, um keinen Fehlstart zu erleiden.

Spieler des Spiels: Jeroen Gies. Als Ersatztorhüter, der während der Vorbereitung an einer Bänderverletzung laborierte, quasi über Nacht in die Startelf zu kommen – das ist schon schwierig genug. Aber Gies strahlte Ruhe aus, war stets zur Stelle und fischte kurz vor der Pause (und im Gegenlicht!) einen Freistoß sensationell raus. Auch sonst sicherster Mann.

 

 

T.A.
Foto: Lars Schröer

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