Lange Gesichter

Der SV Meppen verliert auch in Halle mit 1:2. Doch weit mehr als das Ergebnis bereitet die Leistung Grund zur Sorge.

 

Das Gesicht ist eine faszinierende Sache. Mehr als 45 Muskeln sorgen dafür, dass sich allein aus dem Gesicht jede bekannte Emotion ablesen lässt: Freude, Verdruss, Hoffnung – und pure Enttäuschung.

Mit finsteren Mienen gingen die Spieler nach Spielschluss zur Kurve. Kapitän Thilo Leugers und allen voran Erik Domaschke mühten sich redlich, mit dauerhaftem Klatschen zu symbolisieren, wie sehr sie die Fans nun brauchen. Die aber entgegneten nur teils mit Verständnis, immer öfter mit vereinzeltem Abwinken und ganz viel Frust. Enttäuschung überall.

Der SV Meppen steckt in einer Krise. Das liegt nicht unbedingt an dem Ergebnis. Gastgeber Halle war spielerisch besser, hat verdient 2:1 gewonnen. Doch für die Niederlage gibt es Gründe, die Sorgen bereiten, weil Trainer und Team Entwicklungen stoppen müssen.

Bereits bei Anpfiff überraschte, dass Julian von Haacke den Anstoß ausführte. Nur eine Kleinigkeit, doch schien es auch danach, als habe Trainer Christian Neidhart, der zudem mit Nick Proschwitz und Deniz Undav zwei nominale Stürmer aufbot, auf ein 4-3-3 gesetzt mit zwei offensiven Außenverteidigern und von Haacke als zweite Zehn. Meppen wollte, wie Neidhart im Vorfeld angekündigt hatte, sein Spiel um jeden Preis durchdrücken. Allein: das ging mächtig schief.

Nicht präsent

Das 1:0 war ein mustergültiger Hallenser Konter im eigenen Stadion. Nach einem Ballgewinn spielte Halle perfekt nach vorne, nutzte die Räume hinter dem aufgerückten Linksverteidiger Amin, spielte mit einer Verlagerung die Meppener Innenverteidigung schwindelig und am Ende setzte sich Mathias Fetsch gut durch und drückte den Ball rein.

Meppen war in der ersten Halbzeit überhaupt nicht präsent. Oft, so schien es, verließ sich die Mannschaft darauf, dass Neuzugang Nick Proschwitz etwas einfallen würde. Der war allein auf weiter Flur, meist 20-30 Meter von den allen Mitspielern entfernt, weshalb seine Ablagen nach langen Bällen allzu oft einfach beim Gegner landeten. Meppen gewann kaum einen zweiten Ball. Derweil sollte Leugers oft die Lücken alleine stopfen, sobald Halle die Offensivreihe überspielt hatte. Seine Gelbe Karte, mal wieder, nur logisch. Meppens hohes Pressing brachte Halle kaum aus der Ruhe, im eigenen Ballbesitz wurden teils grauenhafte Fehlpässe gespielt, auch das Umschaltspiel war träge und im letzten Drittel fehlte ein Plan. So kam es, dass die ersten 45 Minuten zu den schlechtesten der laufenden Saison gehörten.

Halle machte nach einem langen Ball und einem Stellungsfehler von Marco Komenda vor dem Pausenpfiff auch noch das 2:0. Abgesehen von einem Kopfball an den Pfosten vom freistehenden Deniz Undav, den Neidhart und Co-Trainer Mario Neumann überraschend offen in die Kritik nahmen, kam von Meppen nichts.

Die wichtigen Spiele kommen jetzt

In der zweiten Halbzeit war der SVM etwas besser. Kam durch Proschwitz, dessen abgewehrter Kopfball nur an die Latte ging, zur besten Chance. Schon fast tragisch war es, dass Keeper Domaschke seine beste Leistung abrief – die Meppen zwar vor weiteren Gegentoren bewahrte, aber eine Niederlage auch nicht mehr verhinderte. Einziger Lichtblick blieb das 1:2, das zu spät kam. Zumindest zeigte Proschwitz erneut, dass er im Strafraum seinen Riecher nicht verloren hat und im richtigen Moment die entscheidenden, schnellen vier-fünf Schritte macht, um schneller als sein Gegenspieler am Ball zu sein.

Der Hallesche FC war heute besser, gehört zurecht zum vorderen Tabellendrittel, aber der SVM bot in diesem wichtigen Auswärtsspiel viel zu wenig an. Auch im nächsten Heimspiel gegen Karlsruhe wird Meppen als Außenseiter in die Partie gehen. Danach folgen die entscheidenden Spiele gegen Zwickau, Fortuna Köln (heute 0:7 gegen Wiesbaden) und Jena. Hier wird sich entscheiden, ob Meppen bis zur Winterpause den Anschluss ans rettende Ufer wird halten können. Mit der Niederlage heute ist deutlich geworden, dass sich dafür auch Grundlegendes ändern muss.

Ist es auch ohne die (noch-)verletzten Ballmert, Gebers und Senninger möglich, dass sich defensive Stabilität einstellt? Kann Proschwitz besser unterstützt und Torraumszenen besser ausgespielt werden? Und ist Meppen derzeit eine Mannschaft, die ständig Ballbesitz haben will? Fragen wie diese wird das Trainerteam in den kommenden Wochen beantworten müssen, damit die Gesichter nicht noch länger werden.

Spieler des Spiels: Erik Domaschke war bei beiden Gegentoren machtlos, doch schon nach dem 1:0 spurtete der Keeper mit dem Ball nach vorne, richtete seine Vorderleute auf. In der zweiten Halbzeit hielt er mehrfach stark und seine Mannschaft im Spiel. Nach dem Spiel blieb er zusammen mit Leugers demonstrativ vor dem Block stehen, während viele Teamkollegen auf dem Weg in die Kabine waren und setzte damit ein Zeichen.

 

 

 

T.A.

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