Keinerlei Effekt

Zugegeben: Die Lust, nach dem desolaten Heimauftritt gegen Hansa Rostock vor zwei Wochen, an dieser Stelle einen Bericht zu dem Spiel zu verfassen, tendierte gegen Null. Zu ernüchternd war der leb- und mutlose Auftritt. In der Hoffnung eines einmaligen Ausrutschers einfach den Mantel des Schweigens über jenes Spiel zu legen, blieb es deshalb zuletzt still. Doch spätestens nach dem erneuten Debakel in Wiesbaden, muss auch dem letzten klar sein, dass es in dieser Saison einzig und allein ums nackte Überleben geht.

Der SV Meppen steht nach sieben Spieltagen völlig zurecht auf dem vorletzten Tabellenplatz, womöglich hält er am Sonntag schon die Rote Laterne. Zweifelsohne hätten aus den ersten Partien mehrfach mehr Punkte rausspringen können, aber dass man die nicht geholt hat, hat eben auch mit fehlender Qualität zu tun.

Unerwartete Konkurrenz

Trotz der Ausgangslage vor der Partie ist Wiesbaden mit Sicherheit nicht der Gegner, mit dem man sich eigentlich in dieser Liga messen müsste. Das Problem ist: Die Mannschaften, die naturgemäß wohl eher um den Klassenerhalt kämpfen werden, haben – abgesehen von Lotte – schon jetzt reichlich und fleißig Punkte eingefahren. Derzeit stehen Wiesbaden, Kaiserslautern und Braunschweig unmittelbar vor uns – das sind drei Teams, die vermutlich auf Dauer im oberen Drittel zu finden sein werden.

Heute in Wiesbaden war die erste Hälfte in Ordnung, aber das reicht eben nicht, wenn man die wenigen Chancen nicht nutzt. Es ist dabei zu einfach, alles den neuen Stürmern anzulasten. Viel erschreckender ist die fehlende Kreativität im Mittelfeld, die sich seit Wochen durch das Team zieht. Der Spielaufbau ist quasi nicht vorhanden, egal ob Leugers, Wagner oder von Haacke – es reiht sich Fehlpass an Fehlpass. Gerne wird sich gebetsmühlenartig darüber beschwert, dass Kremer den Vorzug vor Kleinsorge erhält. Man muss aber konstatieren, dass auch Kleinsorge in dieser Saison bis dato keinerlei Effekt hat.

Unerwarterter Leistungseinbruch

Wenn derartige Leistungsträger der letzten Saison plötzlich ihrer Form komplett hinterherlaufen, dann wird es nun einmal brutal schwer. Der siebte Platz des Vorjahrs hat da sicherlich auch einiges kaschiert, es wirkt stark so, als wenn der ein oder andere Spieler im letzten Jahr deutlich über seinem Niveau gespielt hat.

Ziemlich überraschend hat das Trainerteam plötzlich in Wiesbaden die Abwehr komplett auf den Kopf gestellt. Immerhin wirkte es zuletzt so, als wenn sich gerade das Zentrum mit Komenda und Puttkammer endlich gefunden hatte. Puttkammer nahm jedoch auf der Bank Platz, Komenda spielte auf einmal links – obwohl der Neuzugang wohl unstrittig der bisher beste Meppener Spieler in dieser Saison ist. Zudem verfügt der Ex-Mönchengladbacher über einen ziemlich guten Spielaufbau. Die Ersatleute Vidovic und Posipal hatten gegen das Wiesbadener Pressing mehrfach Probleme und haben die Bälle ein ums andere Mal nur blind herausgebolzt. Schwierig zu beurteilen, warum ausgerechnet dieses Fass durch das Trainerteam aufgemacht worden ist.

Passenderweise war es ausgerechnet einer der scharfen Flachpässe Komendas, der die beste Meppener Chance des Spiels eingeleitet hat. Doch auf außen war Komenda ansonsten in seinen Möglichkeiten häufig begrenzt. Vidovic hat es grundsätzlich solide gemacht, beim 0:1 ließ er sich aber schlicht und ergreifend viel zu einfach aus der Kette ziehen. Wiesbaden spielte das stark aus und schob ungestört ein.

Erwartbar schlechte Stimmung

Zu allem Überfluss werden die nächsten Gegner nicht einfacher. Unterhaching ist bis dato die stärkste Mannschaft der Liga und es ist eine absolute Minuskulisse zu erwarten (immerhin war das Spiel gegen Haching schon letzte Saison am schwächsten besucht). Würzburg kam zuletzt in Tritt und auch Braunschweig fängt jetzt an zu gewinnen.

Klar ist: Es hilft niemandem, wenn der Mannschaft jetzt die Unterstützung der Zuschauer versagt wird. Wenn allerdings noch mehr Spiele so verlaufen, wie gegen Rostock und Wiesbaden, dürfte das schon bald passieren. Schon heute mehrten sich die extrem negativen Stimmen im Gästeblock.

Text: H.N.
Foto: Lars Schröer – studio205.de

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