Halb im Fallen, halb im Hoffen

Am Ende war da gar nicht so viel Freude, am Ende war da vor allem Erleichterung. Erleichterung darüber, dass eine lange Fahrt und großer Einsatz zumindest mit einem Punkt belohnt wurden. Denn gegen den FC Energie Cottbus hat der SV Meppen dominiert, nur ein Tor fiel bis zur letzten Minute nicht.

Vor dem Spiel hätte wohl ein jeder einen Punkt in Cottbus mit Kusshand mitgenommen. Während der 90 Minuten kam das Gefühl auf, dass nur ein Sieg in Frage kommt. Und nach Abpfiff war man mit dem Unentschieden hochzufrieden. Wie ist das möglich?

Nun, wie erfolgreich eine Mannschaft in der 3. Liga sein kann, wenn die Aufstiegstruppe beisammenbleibt und sich der Verein weigert, den wohl besten Spieler höherklassig ziehen zu lassen, beweist derzeit Energie Cottbus. Streli Mamba, 24 Jahre alt und von der SGV Freiberg, über SV Sandhausen II ablösefrei nach Cottbus gekommen, demonstrierte gestern mal wieder, warum er für den Verein unverkäuflich ist. Eine fälschlicherweise zurückgepfiffene Chance in der 8. Minute und kurz darauf sein Laufweg, der Meppens Keeper Jeroen Gies zum Foul im eigenen Sechzehner zwang – Elfmeter! 1:0 für Cottbus.

Von Haacke von Beginn an

Geht das hier schon wieder los?, mögen sich viele der mitgereisten Meppener im Auswärtsblock des Stadions der Freundschaft nach einer Viertelstunde gedacht haben. Dabei hatte Meppens Coach Christian Neidhart mutig aufgestellt, mit Max Kremer und Deniz Undav zwei Spielern eine Chance eingeräumt. Zudem spielte Neuzugang Julian von Haacke direkt neben Thilo Leugers auf der Doppelsechs.

Von Haacke und Leugers gehörten dann auch zum Meppener Spielabschnitt, der sich sehen lassen konnte. Nach dem 0:1 durch Cottbus übernahm der SVM immer mehr die Kontrolle. Puttkammer und Komenda bauten sicher auf, von Haake und Leugers ließen sich abwechselnd fallen. Ab und an tauschten sie auch die Position mit Martin Wagner auf der Zehn. Das wirkte alles sehr sicher, von Haake zwar noch nicht hundertprozentig fit, aber mit Ansätzen, die hoffen lassen und Leugers bereits gestern entlasteten.

Doch in der Offensive? Die besten Chancen in der ersten Halbzeit hatten ausgerechnet Kremer, freistehend über das Tor, und Undav mit einem Kopfball in die Arme von Energie-Keeper Avdo Spahic. Ansonsten fehlte oft der letzte exakte Pass, die ungewohnte Idee nach vorne. „Wenn wir heute mit 0:1 nach Hause gefahren wären, hätte jeder wieder gejammert, Benny Girth ist nicht da“, meinte Trainer Christian Neidhart nach Abpfiff im Gespräch mit der NOZ. Stimmt.

Ansätze, aber fast kein Tor

Denn der SVM war einfach dominanter, stärker – und hätte sich fast wieder nicht belohnt. Natürlich, Nico Granatowskis Tor hätte das Spiel frühzeitig drehen können, doch wurde nicht gegeben (zugegeben: für den Schiedsrichter und den Linienrichter, der bei diesem Distanzschuss nicht auf der Torauslinie stehen kann, ganz schwer zu sehen). In der Schlussphase war Cottbus stehend K.O., parkte jedoch clever den Bus vor dem eigenen Tor. Und so traf Meppen erst in der Nachspielzeit. Ecke durch Leugers, Kopfball von Komenda, der Ball kommt zu Kleinsorge, der clever abschirmt und eine letzte Flanke hereinbringt. Drei Schüsse aufs Tor – erst der letzte von Granatowski, halb im Fallen, halb im Hoffen, konnte nicht mehr abgewehrt werden. 1:1! Endlich!

„Wenn man die 90 Minuten nimmt, hat Meppen hier auf jeden Fall den Punkt verdient. Da muss man sagen: Der Punkt heute ist okay“, fasste Cottbus’ Tim Kruse nach Abpfiff ehrlich zusammen. Denn Meppen war einfach besser, mit sehenswerten spielerischen Ansätzen und hatte sich den einen Punkt – wie schon so oft in dieser Saison – mindestens verdient.

Nico Granatowski

Spieler des Spiels: Nico Granatowski – vor dem Tor hat Meppen weiterhin die Scheiße am Schuh. Also probierte es Granatowski einfach mal aus der Distanz. Ein Tor, das an seinen Brustlöser vor einem Jahr gegen Rostock erinnerte, diesmal aber nicht gegeben wurde. Dass er sich in der Schlussminute doch noch belohnte, halb im Fallen, im Nicht-Aufgeben, im Hoffen, ist sinnbildlich für die Mannschaftsleistung.

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