Haben die Leute einfach keine Lust hier, oder wat?

Der Emsländer an sich ist ein bequemer Mensch. Gibt es mal etwas Neues vor der eigenen Haustür, ist er gerne dabei, sobald das Spektakel jedoch dem gewohnten Alltagstrott weicht, bleibt er gerne in den eigenen vier Wänden oder im Garten.

Großartig anders ist es wohl nicht zu erklären, dass sich heute gerade einmal 4426 Zuschauer das 1:1 gegen die Spielvereinigung Unterhaching im Stadion ansehen wollten. Wohlgemerkt vier Tage nachdem 3000 Meppener auf einem Dienstagabend nach Osnabrück reisen konnten und dort ein packendes und fantastisches Derby sahen. Wohlgemerkt beim ersten Heimspiel seit fünf Wochen. Wohlgemerkt bei wunderbarem Wetter und frühlingshaften Temperaturen.

Auswärts hui, daheim …?

Natürlich gibt es attraktivere Gegner in der Liga als Unterhaching. Natürlich gibt es Leute, die auch am Samstag arbeiten müssen. Natürlich beginnt so langsam auch auf Amateur- und Jugendebene die Rückrunde. Doch war das in der Hinrunde nicht der Fall? Wohl kaum, nichtsdestotrotz kamen gegen Fortuna Köln oder Chemnitz deutlich über 6000 Zuschauer. Auf einem Samstag, 14 Uhr. Es werden heute wohl kaum 2000 Menschen über den Stationsweg geboßelt haben.

Mit 2000 Leuten in Münster, mit 4000 in Lotte, mit 1000 in Magdeburg, ausverkauftes Haus gegen Osnabrück, tolle Kulissen unter anderem gegen Karlsruhe. Es gibt diverse Beispiel aus dieser Saison, wie begeisterungsfähig die Region sein kann, wenn der Rahmen stimmt. In der nächsten Woche dürfte es dank Sonderzugfahrt auch in Karlsruhe ein beeindruckendes Erlebnis geben.

Schlag ins Gesicht

Demgegenüber stehen aber dann in Aalen und Zwickau bei – zugegebenermaßen irre langen Auswärtsfahrten und bitterkalten, ungemütlichen Verhältnissen – nur noch die 100 Unerschrockenen, die sowieso überall hinfahren. Oder eben nicht mal 4500 bei einem Heimspiel gegen Unterhaching. Aalen oder Unterhaching klingen halt nicht so sexy wie Rostock, Magdeburg oder Karlsruhe.

Dem Team gegenüber ist das eine Frechheit.

Dem Team, das eine fantastische Saison spielt. Sich in jeder Partie den Arsch aufreißt. Das im Jahr 2018 erst eine kümmerliche Partie verloren hat. Das am Dienstag eine der denkwürdigsten Auswärtsreisen der letzten Jahre ermöglicht hat. Eine Zuschauerzahl wie an diesem Samstag ist wie ein Schlag ins Gesicht.

Ein Privileg

Doch die 3. Liga wird scheinbar für viele Leute zur Gewohnheit. In Karlsruhe gibt es am nächsten Samstag noch einmal ein absolutes Highlight. Doch dann? Die Saison ist nahezu durch, sowohl nach oben als auch nach unten wird nicht mehr viel passieren. Gegen Münster, Osnabrück, Rostock oder Magdeburg wird nicht mehr gespielt. Stattdessen heißen die weiteren Gegner Wehen Wiesbaden, Halle oder Lotte. Ob das den bequemen Emsländer vom Sofa holt?

Die 3. Liga ist für einen Verein wie den SV Meppen aber keine Gewohnheit, ist niemals Selbstverständlichkeit. Sondern ein Privileg. Also: Wenn es zeitlich möglich ist, geht ins Stadion. Auch gegen Wehen Wiesbaden oder Erfurt. Fahrt nach Chemnitz oder nach Aspach, auch wenns weh tut. Unterstützt das Team, so gut es geht. Sie haben es sich verdient.

H.N.
Foto: Lars Schröer – Studio205

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1 Kommentar
  1. Oliver sagt

    Ich wohne in Lüdinghausen, wenn immer es moeglich ist sehe ich den SVM, bin aber auch bvb fan und irgendwann muss man auch mal wieder was machen, finde den Kommentar ueberzogen!

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