Geberqualitäten

Der SV Meppen gewinnt das erste Spiel im neuen Jahr mit 2:0 gegen Preußen Münster. Weil sich die Mannschaft auf alte Qualitäten besinnt – und das Glück herausfordert.

Fakt ist: Wenn es kalt ist, spielt der SV Meppen nicht besser. Ob das nun eine Scheinkorrelation ist, oder wirklich ein Zusammenhang besteht, das sollen andere beantworten. Trotzdem wirkte die Mannschaft am Sonntagnachmittag wieder etwas träge. Mäßige Platzverhältnisse, fehlende Spritzigkeit, manch einer sprach vom „schlechtesten Spiel der Saison“.

Stimmt natürlich nicht. Denn die Mannschaft tat, was in den Partien vor der Winterpause fehlte: sie kniete sich richtig ein. Und das wurde belohnt.

Zahn gezogen

Schon in der zweiten Minuten holte Jovan Vidovic den enteilenden Grimaldi von den Beinen. Eine Aktion, die nur nicht mit Gelb bestraft wurde, weil es eben die zweite Minute war. Vidovic‘ Einsatz gegen Münsters herausragenden Goalgetter ist trotzdem sinnbildlich für den kollektiven Auftritt. Über die Spielzeit wurde dem Gegner der Zahn gezogen, auch mal freundlich einer mitgegeben, klargemacht: hier in Meppen gibt’s nichts zu holen.

Das lag u.a. an zwei Faktoren. Die neue Stehtribüne hat sich nahtlos ins Stadion eingepasst, das jetzt noch enger wirkt. Wie eine verdammte Festung, in die der Gast eingedrungen ist, selbst nicht weiß, wer auf diese beschissene Idee gekommen ist, und nun schleunigst verschwinden will. Es fehlt nur noch ein Dach (vielleicht aus schickem Holz), die Voraussetzungen wurden dem Vernehmen nach geschaffen, und die Atmosphäre eines altenglischen Stadions wäre perfekt.

Tankulic belebt das Geschäft

Zum anderen überzeugte Neuzugang Luca Tankulic, der für den angeschlagenen Marius Kleinsorge in der Startelf stand. Vor allem in der ersten Halbzeit sah das sehr gut aus, Meppen wirkte auch körperlich in der Offensive präsenter. Dass Benni Girth gegen eine starke Innenverteidigung einen schweren Stand hatte, fiel da bei weitem nicht so stark ins Gewicht. Sollte sich der Eindruck bestätigen, kann man den Verantwortlichen zu diesem Transfer nur gratulieren! Zumal Tankulic in der zweiten Halbzeit nachließ, dann aber der Coach mit Kleinsorge eine echte Option, eine Verstärkung, eine ungewohnte Belebung in der Hinterhand hatte.

Weil zuletzt, gerade bei Misserfolgen, auf Schiedsrichtern herumgehackt wurde, sollte das der Vollständigkeit halber auch heute getan werden. Denn Schiri Alexander Sather lag in einigen Situationen daneben. Das vermeintliche 1:0 nach Ecke von Thilo Leugers hätte unumstritten zählen müssen. Puttkammer bleibt stehen, Gäste-Keeper Körber berührt ihn erst, als er sich die Pille schon reingeworfen hat.
Genauso war aber auch der Elfmeter keiner. Auch wenn es einige gern anders hätten, Nur-im-Weg-Liegen stellt im Fußball erst einmal kein Foul dar. Kleinsorge fädelt ein, tritt auf Körber und fällt. In der realen Geschwindigkeit sah das auch aus wie Foul. War es aber eben nicht. Ingesamt: ausgleichende Gerechtigkeit.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Besonders schön war das unerwartete Wiedersehen mit einem Aufstiegshelden: Dennis Geiger wurde in der 80. Minute eingewechselt und absolvierte sein ersten ernstzunehmenden Einsatz (zuvor in der 90. gegen Chemnitz eingewechselt) in dieser Saison. Neben der Geburt seines Kindes – Glückwunsch von menkyyry an euch! – scheint auch sonst bei ihm gerade alles zu laufen. Trainingslager genutzt, einige Zweikämpfe gewonnen. Wir würden uns freuen, wenn sein Einsatz keine Eintagsfliege bliebe.

Dem SV Meppen bleiben damit 3 Punkte, die im Gros auch hochverdient waren. Vor allem: die kämpferische Spielweise macht Lust auf mehr. Eine Art und Weise, die auch Magdeburg und Rostock vor Probleme stellen könnte. Der Auftakt ist gelungen. Der Abstand zu den Abstiegsrängen wurde weiter vergrößert. Danke. Gerne wieder.

T.A.
Foto: Nikita Teryoshin (11FREUNDE)

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