Fahrlässig

2016: SV Drochtersen/Assel ? Borussia Münchengladbach 0:1
2018: SV Drochtersen/Assel ? FC Bayern München 0:1
2019: SV Drochtersen/Assel ? ???

Zum dritten Mal binnen vier Jahren steht ein verhältnismäßig kleiner Dorfverein in der Hauptrunde des DFB-Pokals. Dem SV Meppen ist das in den letzten 20 Jahren genau einmal gelungen.

Noch Fragen?

Die Niederlage am Mittwochabend im Kehdinger Stadion war die negative Krönung der letzten Wochen. Seit dem feststehenden Klassenerhalt gingen die Leistungen der Mannschaft rapide bergab. Man griff mit lustlosen Darbietungen in den Abstiegskampf ein, sei es in Köln oder zuhause gegen Jena. In Köln gab es zwar immerhin einen Punkt, aber dessen Zustandekommen m?ssen aber wohl keine Worte mehr verloren werden. Zum Abschluss präsentierte man sich in Kaiserslautern vor 2000 mitgereisten Meppenern, die für eine sensationelle Stimmung auf dem Betzenberg sorgten, 45 Minuten lang offen wie ein Scheunentor.

Terminierung sorgt für ärger

?Was solls??, hieß es auch von Seiten vieler Fans. Zum eminent wichtigen Pokalfinale in Drochtersen wird sich die Mannschaft wohl noch einmal aufraffen und somit letztendlich dank Klassenerhalt und DFB-Pokaleinzug für eine rundum gelungene Saison sorgen.

Tja, denkste. Bereits die Terminierung auf einem Mittwochabend hatte f?r reichlich ärger bei den Meppener Anhängern gesorgt. Rund 600 Kilometer lassen sich unter der Woche mal eben nicht so einfach zur?cklegen. Eigentlich gingen alle von einem Spiel am kommenden Samstag aus. Doch wohl auch aufgrund der geplanten Mannschaftsfahrt nach Mallorca, einigten sich beide Teams schlie?lich auf eine Vorverlegung. Sehr zum Leidwesen der SVM-Fans.

Nichtsdestotrotz standen auch gestern wieder mindestens 400 Blau-Wei?e im Gästeblock. Denn hey ? es winkt ja endlich wieder der DFB-Pokal. Dass sich nach 90 Minuten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Wut und ?rger in selbigem breitgemacht hatte, muss nun wirklich niemanden überraschen.

25 gute Minuten sind zu wenig

Der SV Meppen begann schlecht und fahrig, fast wie man es aus dem Halbfinale gegen Havelse und unzähligen anderen Pokalauftritten kannte. Ja, ab der 15. Minute wurde es besser. Es gab einige Phasen, in denen Drochtersen weit nach hinten gedrängt werden konnte, zudem wurde probiert, das Spiel breitzumachen. Dann wurde es h?ufig auch im Ansatz gefährlich, wenn auch die Flanken leider meist zu ungenau waren. Dennoch ? zur Halbzeit war man guter Dinge, dass der zähe Gegner im zweiten Durchgang geknackt werden k?nne.

Was nach dem Seitenwechsel passierte, l?sst einen aber auch am Tag danach noch fassungslos zurück. Keinerlei Spielidee gegen den Beton von Drochtersen. Viel Ballgeschiebe. Torchancen? Nicht vorhanden. Stattdessen stand die Abwehr derart hoch, dass Drochtersen gleich dreimal zu herausragenden Konterchancen kam. Zweimal ging es gut, beim dritten Mal nat?rlich nicht mehr. Das verzweifelte Anrennen der letzten Minuten n?tzte nichts. Wieder einmal ist der SV Meppen im Pokal der Depp vom Dienst.

Die Suche nach Ausreden

Immerhin, um Ausreden war man nicht verlegen. Ja, der Platz war schlecht. Da spielen aber immer noch beide Mannschaften drauf. Ja, der Schiedsrichter hatte insbesondere in seiner Kartenverteilung eine höchst absurde Linie. Aber hat das wirklich etwas am Spiel geändert? Es ist eigentlich schlimm genug, dass man sich als klassenhöherer Verein mit lauter Profis auf die Hitze einlässt, die Drochtersen natürlich versucht hatte, hereinzubringen.

Und dann beschweren sich nach dem Spiel die Spieler am Zaun ? zumindest die, die kamen ? auch noch darüber, wenn sich der Frust der Meppener Anhänger auch in Worten niederschlägt. Nur mal so als Denkanstoß: Unzählige SVM-Fans werden sich gestern einen Urlaubstag genommen haben, um die Mannschaft vor Ort zu unterst?tzen. Um dann solch einen Auftritt zu sehen.

Nat?rlich hat sich jeder einzelne Spieler nach zehn anstrengenden Monaten seinen Urlaub verdient. Wenn mitsamt der Vorgeschichte der Termin-Verlegung dann aber solch ein biederer Auftritt dabei herumkommt, und die Spieler nur wenige Stunden danach in den Flieger nach Mallorca steigen, dann, ja dann muss sich nun wirklich niemand wundern, dass die gemeine Fanseele vor Wut und Unverst?ndnis kocht.

Finanzielle Einbußen

Das Verpassen des DFB-Pokals kostet den Verein immerhin mal eben rund 150.000 Euro. Geld, das in Steine und Beine hätte investiert werden können. Geld, das einer der kleinsten Vereine der 3. Liga natürlich herausragend gut gebrauchen könnte. Zudem ist so ein DFB-Pokallos eventuell auch Anreiz für den ein oder anderen Spieler, nach Meppen zu kommen.

Diese Chance ist gestern Abend fahrlässig weggeworfen worden. Das Team hat mit den letzten Wochen einiges an Kredit verspielt. Und das ist ziemlich schade, angesichts der Party, die vor nicht einmal einer Woche noch gefeiert worden ist.

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