Es werden wieder kleine Brötchen gebacken

Kopf, Zahl, Zahl, Kopf, Zahl – Wer eine Münze wirft, hat eine fünfzigprozentige Chance, dass das erhoffte Ereignis eintrifft. Zahl, Kopf, Kopf, Zahl. Und mit gleicher Wahrscheinlichkeit hätte der SV Meppen heute Nachmittag im Derby gewinnen können. Kopf, Zahl. Das Emslandstadion hatte sich fein herausgeputzt, die neuen Trikots waren gewaschen, Sonne und Laune strahlten um die Wette. Zahl, Kopf. Doch stattdessen verlor der SVM trotz guter Gelegenheiten im ach so wichtigen Derby mit 0:2. Kopf.

Doch die Niederlage allein am fehlenden Glück zu erklären, wären dann doch zu einfach. Und es gibt gute Gründe, dass der SV Meppen heute eben doch verlor.

Ohne echten Mittelstürmer

Vor dem Spiel hatte Trainer Christian Neidhart sein Versprechen eingehalten und offensiv umgestellt. Mirco Born spielte statt Max Wegner, Nico Granatowski spielte als Mittelstürmer, interpretierte die Rolle aber als »Falsche Neun« und ließ sich schon in der ersten Halbzeit einige Male ins Aufbauspiel fallen. Ein Aufbauspiel, das gerade zu Beginn oft einfalls- und leidenschaftslos daherkam. Meppen stellte bei Osnabrücker Abstößen kurze Passwege zu, presste teilweise früh an und signalisierte, dass man selbst das Spiel in die Hand nehmen wolle. Doch oftmals standen sich Born, Granatowski, Tankulic und Kleinsorge im vorderen Drittel auf den Füßen, statt mit Geschwindigkeit in offene Räume starten zu können. Hinzu kam: Meppen kam in der Anfangsphase nur sehr schwer in die Zweikämpfe, spielte viele unnötige Fouls und Fehlpässe und in 50:50-Situationen – Schuss oder Pass, links oder rechts, Grätsche oder Ablaufen – entschieden sich die Spieler meist für die falsche Option. Kopf oder Zahl?

Eine Liste an Mängeln, die sicher noch ergänzt werden könnte – und heute Abend vielleicht niemanden interessieren würde, wenn die Torchancen, die wie Geschenke daherkamen, genutzt worden wären. In der ersten Halbzeit hatte Luka Tankulic die größte Möglichkeit auf den Schlappen. Nach einem schwachen Pass von Engel auf Keeper Körber sprintete Tankulic dazwischen, umkurvte mit dem Ball Körber, ohne von den Beinen geholt zu werden, und verlor im letzten Zweikampf die Übersicht. Statt noch einen Haken zu wagen, schoss Tankulic bedrängt direkt – und traf nur das Außennetz. Eine 50:50-Situation. Und kein Glück.

Was wäre wenn?

Es würde alles nicht interessieren, wenn Thilo Leugers im angelaufenen Jubelsturm der Meppener Fans – warum eigentlich? – den geschenkten Handelfmeter verwandelt hätte. Rechts statt Links, am Ende bist du immer klüger. So hatte Körber die Hände dran. Eine 50:50-Situation. Und wieder kein Glück.

Dass später Wegner den Ball in aussichtsreicher Position lupft statt draufzuhalten. Dass Kremers direkte Ecke, den TV-Bildern zu urteilen, unrechtmäßig abgepfiffen wurde. Es passte zum Spiel. Es passte zum fehlenden Glück.

Statt einen Derbysieg, den siebten oder wenigstens fünften Derbypunkt in Folge zu feiern, wurde der Meppener Mannschaft auch Grenzen aufgezeigt. Von einem Gegner, bei allem Respekt für den zweiten Tabellenplatz, der sich spielerisch ebenso nach unten orientieren sollte. Ein Pass von Komenda, der den aufgerückten Amin nicht fand, eine fehlende Abstimmung zwischen Komenda und Leugers in der Rückwärtsbewegung, Gies, der auf der Linie klebte, und ein verlorenes Kopfballduell – 0:1.

In der Videoanalyse dürfte das Trainerteam ausreichend Anschauungsmaterial für die Fehleranalyse finden. Aber geht es wirklich darum? Sind all das nicht eben Fehler, die vor einem Jahr am zweiten Spieltag genauso herausgepickt werden konnten? Ganz bestimmt sogar.

Wer schießt die Tore?

Nur zwei Dinge bleiben hängen nach diesem enttäuschenden Nachmittag, für die Spieler sicher genauso wie für die Fans. Zum einen die Körpersprache. Nur selten, meist dann, wenn auf der rechten Seite Kleinsorge oder Jesgarzewski in den Zweikampf gingen, konnte man die Leidenschaft entdecken, die den SV Meppen so stark und das Emslandstadion zur Festung machen. Eine Mannschaft, wie im Vorjahr, die ständig Gras fraß, fehlte. Stattdessen kamen Osnabrücker immer wieder als erstes an den Ball, gewannen Kopfballduelle, wirkten weniger ängstlich – was blieb, waren Fouls.

Und zum anderen, ganz besonders nachdem Christian Neidhart mit Max Kremer, Max Wegner und Deniz Undav drei weitere Stürmer einwechselte, muss dringend die Frage beantwortet werden: Wer schießt in diesem Jahr eigentlich die Tore? Null Treffer nach zwei Spielen lautet die Statistik, die wirklich Sorgen bereitet.

Der SV Meppen steht nach zwei Spieltagen auf dem 17. Tabellenrang. Abstiegsplatz. Ein Punkt, null Tore und zwei Spiele, die nicht wirklich überzeugten. Eine Katastrophe ist das noch lange nicht, sollte aber allen zu denken geben. Spielern wie übrigens auch vielen Fans. In dieser Saison werden wieder kleine Brötchen gebacken. Abstiegskampf. Klassenerhalt. Eine Mentalität, die Meppen in den letzten Jahren gut gestanden hat.

 

Spieler des Spiels: Janik Jesgarzewski. Oft gerät der Rechtsverteidiger ins Schussfeld der Kritiker, wenn es bei allen nicht läuft. Heute bewies Jesgarzewski aber mal wieder, was zu tun ist, wenn eben nicht viel zusammengeht. Kämpfen, rackern, laufen. Versprühte auf der rechten Seite im Zusammenspiel und -kampf mit Marius Kleinsorge Derbyfieber.

 

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