Endlich!

Im Fußball kann es bisweilen sehr schnell gehen. Was nach Floskel klingt, stimmt dann eben doch immer wieder. Keine 72 Stunden nachdem der SV Meppen einen der größten Schocker seit langer Zeit schlucken musste, bebten die Stufen des Emslandstadions nach dem Siegtreffer von Thilo Leugers gegen den VfR Aalen. Zehn Minuten später war der erste Saisonsieg des SVM eingefahren.

Endlich will man sagen. Endlich hat sich das Team nach dem schwierigen Saisonstart für die Mühen belohnt – allen Widrigkeiten, die es auch heute wieder gab, zum Trotz. Endlich. Denn als Luka Tankulic nach einer Viertelstunde einen Strafstoß an den Pfosten setzte und somit auch der zweite Meppener Elfmeter binnen einer Woche nicht den Weg ins Ziel fand, dürfte sich der ein oder andere wohl unter seine Fußsohle geschaut haben, um sich zu vergewissern, wie viel Scheiße daran eigentlich haften kann.

Überraschende Startaufstellung

Der SV Meppen überzeugte mit einer Menge Leidenschaft. Eine gewisse Verunsicherung war den Spielern nach diesem nächsten Nackenschlag aber anzumerken. Aalen wirkte Mitte des ersten Durchgangs griffiger und gefährlicher. Spätestens als der SV Meppen in Person von Max Wegner, Tankulic und Leugers nach nicht einmal 25 Minuten bereits drei gelbe Karten gesammelt hatte, wurden schon wieder Erinnerungen an das Spiel in Duisburg wach, als die Blau-Weißen das Spiel nicht mit elf Mann beenden konnten. Die Gäste von der Ostalb wussten daraus aber kein Kapital zu schlagen, liefen zu häufig ins Abseits und scheiterten zweimal am glänzend aufgelegten Jeroen Gies.

Meppens Trainer Christian Neidhart überraschte schon mit dem Anpfiff damit, dass nicht etwa Martin Wagner neben Leugers im defensiven Mittelfeld agierte, sondern sich Tankulic hinter Wagner positionierte. Im Rahmen seiner Möglichkeiten erledigte dieser seinen Job defensiv ganz gut und konnte mit seiner Ballsicherheit auch offensiv Akzente setzen. Diese Akzente entstanden gerade im ersten Abschnitt vor allem über die linke Seite durch Hassan Amin und Nico Granatowski. Die rechte Seite war dagegen völlig abgemeldet. Gewollt? Ungewollt? Marius Kleinsorge hing nach seiner Gehirnerschütterung ziemlich in der Luft (holte aber wenigstens den Strafstoß raus) und bei Janik Jesgarzewski hatte man phasenweise das Gefühl, dass er vom Mittelfeld völlig ignoriert wird.

Frischer Wind mit Deters und Undav

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel. Die rechte Seite wurde häufiger gesucht – auch weil Granatowski und Kleinsorge die Positionen tauschten – das sorgte dafür, dass das Meppener Spiel weniger leicht auszurechnen war. Aalen konnte teilweise richtig hinten eingeschnürt werden und das Tor schien immer wieder in der Luft zu liegen. Doch die richtig herausragenden Chancen fehlten. Aalen kam nur noch selten nach vorne, spielte die vorhandenen Kontermöglichkeiten dann aber zu überhastet aus. Mit Thorben Deters und Deniz Undav für Wegner und Kleinsorge brachte Neidhart frischen Wind – und das sollte sich lohnen. Deters‘ Ballsicherheit tat im Zentrum gut und Undav fügte sich ebenfalls stark ein und machte viele Bälle fest.

Weil es jedoch im Strafraum weiterhin wenig Lücken gab, musste schließlich ein Schuss aus der zweiten Reihe her. Leugers wurde in Nähe des Sechzehners angespielt, umkurvte seinen Gegenspieler und zog aus 18 Metern trocken mit links ab – der Ball klatschte unhaltbar neben dem Pfosten ins Tor. Der Schuss dürfte mindestens doppelt so schwer wie der Elfmeter gegen Osnabrück gewesen sein – doch warum einfach, wenn man es auch schwierig haben kann? Endlich wurde mal geschossen und endlich wurde sich mal belohnt.

Aalen warf zum Schluss zwar noch einmal alles nach vorne, doch bis auf eine Szene gab es keine gefährlichen Abschlüsse mehr. Hier reagierte Gies allerdings noch einmal bärenstark und hielt die drei Punkte fest. Völlig zurecht wurde das komplette Team nach dem Abpfiff gefeiert. Jetzt heißt es am Dienstag Oldenburg schlagen und sich dann am spielfreien Wochenende zu erholen.

Spieler des Spieltags: Thilo Leugers, klar. Gegen Osnabrück verschoss er den Elfmeter, nach dem Spiel gegen Uerdingen wurde er von Coach Neidhart gescholten. Heute zeigte er, warum er so wichtig für den SVM ist – weil er sich ein Herz fasst.

Text: H.N.
Foto: Lars Schröer

Das könnte dir auch gefallen

Kommentar verfassen