Ein denkwürdiges Jahr

Mit der 0:2-Niederlage in Würzburg endete am Samstag ein in allen Belangen denkwürdiges Jahr für den SV Meppen. Vor sechs Monaten verwandelte das Team die Stadt nach dem Elfmeter-Drama gegen Waldhof Mannheim in eine einzige Party. Ausgerechnet 30 Jahre nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga kehrte der SVM zurück in den Profifußball.

Doch mit dem Aufstieg nährten sich auch die ersten Zweifel. Kann die Mannschaft in dieser 3. Liga überhaupt bestehen? Immer und immer wieder fiel der SV Meppen bei der Frage nach den Abstiegskandidaten vor der Saison an erster Stelle. Zum Jahreswechsel darf man endgültig konstatieren: Die sogenannten Experten irrten sich gewaltig. Der SVM kann in dieser Liga bestehen.

Granatowskis Hammer bringt das Selbstvertrauen

Platz elf nach 20 Spieltagen, 28 Punkte, mehr Siege als Niederlagen und elf Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz – diese Bilanz hätte wohl vor der Saison jeder sofort unterschrieben. Trotz nur einem Punkt aus den ersten drei Spielen kam der Verein erstaunlich schnell in der neuen Liga an. Spätestens mit Nico Granatowskis fulminantem Siegtreffer am vierten Spieltag kurz vor Schluss in Rostock war auch die Aufstiegseuphorie wieder voll da.

Es folgten ein beeindruckend souveräner 4:0-Erfolg über Zwickau sowie eine gute Leistung bei der knappen 0:1-Niederlage in Paderborn, wo 800 Meppener das Team dennoch frenetisch bejubelten. Auf das bittere 2:2 in Jena soll an dieser Stelle gar nicht erst weiter eingegangen werden. Nur so viel: Sören Eismann dürfte im kommenden Jahr nicht allzu freundlich begrüßt werden.

Nur vier Tage später war jeder Ärger schon wieder vergessen. Granatowskis Traumtor entschied das Duell gegen den VfL Osnabrück vor ausverkaufter Hütte. Der erste Derbysieg seit 25 Jahren – mit Sicherheit DAS Highlight der abgelaufenen Hinserie. Dass man drei Tage danach mit der schlechtesten Saisonleistung in Unterhaching unterging, fiel nicht nennenswert ins Gewicht.

Meppen mischt die Liga auf

Denn der SVM beeindruckte nun immer häufiger die ganze Liga. Mit dem Karlsruher SC, den SV Wehen Wiesbaden und Fortuna Köln wurden drei Topteams nacheinander zu Null bezwungen. Dass in Wiesbaden dazu eine Menge Glück und ein überragender Torhüter nötig waren – geschenkt. Die Erfolge über Karlsruhe und Köln gingen absolut in Ordnung.

Eine Siegesserie, die das Team bis auf den sechsten Platz und in Tuchfühlung zum Relegationsrang brachte. Manch Anhänger träumte hinter vorgehaltener Hand wohl schon vom Durchmarsch. Dass dazu aber noch vieles fehlt, wurde in den kommenden Spielen deutlich. Nach der hochverdienten Niederlage in Halle gelang dank des Dreierpacks von Benjamin Girth in einem packenden Spiel gegen Chemnitz noch einmal ein unheimlich wichtiger Heimsieg.

Es war der letzte Sieg im Jahr 2017, es folgten vier Unentschieden in Serie. Vier Punkte, deren Wert man nicht genau einzuschätzen vermochte. Denn zumindest vom Gefühl her, war in den Partien in Lotte und Erfurt sowie gegen Großaspach und Bremen auch mehr drin. Vor allem bei den Schlusslichtern Erfurt und Bremen. Im letzten Spiel in Würzburg ging die Niederlage letztlich auch aufgrund personeller Probleme in Ordnung.

Nicht alles Gold, was glänzt

So ist die Situation nach dem 20. Spieltag noch immer mehr als komfortabel. Der elfte Platz ist die schlechteste Platzierung des SVM seit dem siebten Spieltag. Nichtsdestotrotz darf man sich nicht darauf verlassen, in der Rückserie die noch fehlenden Punkte schon irgendwie zu holen. Beispiele von Aufsteigern, die im Verlauf einer langen Saison das Level der ersten Hälfte nicht halten können, gibt es zuhauf. Die Gegner kennen uns nun alle. Auch wenn es die zweite Liga war – einfach mal in Würzburg nachfragen.

Klar ist auch: Die Abhängigkeit von Girth ist enorm. 44 Prozent unserer Tore gehen auf sein Konto, das ist ligaweit deutlich der Spitzenwert.

Was ebenfalls zuletzt Sorgen bereitete: Sämtliche Gegentreffer der letzten fünf Spiele resultierten aus gegnerischen Standards. Lotte traf nach Ecke und Freistoß, Aspach per direktem Freistoß, Werder nach zwei Freistößen und Würzburg nach zwei Eckstößen. Zeitgleich sind die eigenen Standards in den letzten Wochen kaum mehr eine nennenswerte Waffe gewesen. Dass man daran in der Wintervorbereitung arbeiten muss, sollte klar sein.

Einfach mal „Danke“ sagen

Trotz alledem – und auch wenn es mit den anvisierten 30 Punkten zum Winter nicht geklappt hat – ist wohl jeder im Meppener Umkreis dankbar für ein bemerkenswertes Jahr (viel eher: bemerkenswerte einanhalb Jahre). Was sich hier in den letzten 18 Monaten sportlich und strukturell entwickelt hat, hätte wohl niemand in seinen kühnsten Träumen erwartet. Spielern, Trainerteam und Vorstand gebührt daher ein riesiges Lob.

H.N.

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