Die beste 3. Liga aller Zeiten?

Man kennt das ja. Im Vorfeld einer neuen Saison werden gerne mal sämtliche erdenkbaren Superlative bemüht, um das Produkt – in dem Fall die Liga – dem Kunden schmackhaft zu machen. Die 2. Bundesliga zum Beispiel, jahrelang das Steckenpferd von Sport1, war in der Vergangenheit gefühlt stets „die beste 2. Liga aller Zeiten“. Irgendwann konnte man darüber nur noch müde lächeln.

Derartige Lobpreisungen gibt es in den letzten Tagen und Wochen auch zur Genüge zur anstehenden Saison in der 3. Liga. Mit Blick auf Namen wie Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern oder TSV 1860 München überrascht die mediale Hysterie zugegebenermaßen nun wirklich nicht. Nun garantiert ein großer Name natürlich noch lange keine sportliche Qualität. Womöglich findet sich auch der ein oder andere genannte Verein plötzlich in eben jener Liga wieder, weil das eigene Selbstverständnis ein ganz anderes ist. Nichtsdestotrotz: Angesichts des Teilnehmerfeldes, den durchaus ambitionierten Aufsteigern aus München, Krefeld oder auch Cottbus und des dazugekommenen vierten Abstiegsplatzes lässt sich wohl mit Fug und Recht behaupten: Die Liga wird in der kommenden Saison nicht einfacher.

Spätestens seit der Bekanntgabe des Spielplans sollte auch der letzte wieder mächtig Bock auf Fußball bekommen haben. Bereits am zweiten Spieltag steigt das Derby gegen Osnabrück, auch Kaiserslautern, 1860, Braunschweig oder Karlsruhe gastieren noch vor Weihnachten in Meppen. Fußballfeste scheinen garantiert und wer da nicht ins Stadion geht, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

Halbzeit in der Vorbereitung

Nur noch drei Wochen sind es bis zum Saisonstart in Lotte. Seit drei Wochen befindet sich der SVM wieder in der Vorbereitung und schwört sich auf die Spielzeit ein. Halbzeit, sozusagen. Das Team scheint in jedem Fall ganz gut in Schuss zu sein, so wirkte es zumindest am Sonntag beim 2:0-Erfolg über den holländischen Erstligisten Heracles Almelo.

Klassenunterschied? Davon war in Herzlake nichts zu sehen, es entwickelte sich von Beginn an ein offenes und kurzweiliges Spiel. Es war der echte Gradmesser. 23:1- oder 13:0-Siege gegen Haselünne und Wilhelmshaven klingen zwar nett, sind aber eher Muster ohne Wert. Der Gradmesser wurde bestanden.

Luka Tankulic machte ähnlich spielfreudig da weiter, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hat und traf prompt zum 1:0. Auch die Neuzugänge wussten durchaus zu gefallen. Hassan Amin machte als Linksverteidiger vor allem bei seinen Vorstößen mächtig Eindruck. Marco Komenda spielte souverän in der Innenverteidigung. Komenda scheint sowieso als eine Art Allzweckwaffe eingeplant zu sein, immerhin spielte er in der Vorbereitung bereits innen, links und im defensiven Mittelfeld. Max Wegner und Deniz Undav, die jeweils eine Halbzeit in der Sturmspitze spielten, hatten keinen einfachen Stand, vor allem Letzterer hatte aber auch seine gelungenen Szenen. Das Girth-Erbe wird sowieso kein leichtes sein, es täten sicher alle gut daran, nicht ständig Vergleiche ziehen zu wollen.

Was ist los bei Gebers?

Trotz des Girth-Verlustes dürfte der Kader schlagkräftig genug sein. Der Kern der Mannschaft ist gehalten worden, in der Breite hat man sich deutlich verstärkt. Das dürfte auf einigen Positionen für ordentlichen Konkurrenzkampf sorgen. Amin oder David Vrzogic auf links? Janik Jesgarzewski, Fabian Senninger oder doch Markus Ballmert auf rechts? Auch in der Offensive gibt es nur vier Positionen für Undav, Wegner, Tankulic, Max Kremer, Marius Kleinsorge, Martin Wagner, Nico Granatowski, Thorben Deters und Mirco Born. Gut möglich, dass ein Wagner häufiger auf der Sechs zu finden sein wird. Das deutet sich nach den bisherigen Testspielen zumindest an, auch gegen Almelo spielte der Kapitän an der Seite von Thilo Leugers im defensiven Mittelfeld.

Härtefälle wird es sicherlich geben, doch Konkurrenz belebt nunmal das Geschäft. Sorgen bereitet somit derzeit eigentlich nur die unklare Situation um Marcel Gebers. Noch immer kann der Innenverteidiger nicht trainieren, nun soll sogar ein Besuch bei Dr. Müller-Wohlfahrt Licht ins Dunkle bringen. Sonderlich optimistisch klingt das, was aus dem Umfeld des Teams so zu hören ist, allerdings nicht. Gebers war in der abgelaufenen Saison vermutlich gar der konstanteste Spieler der Mannschaft. Mit Jovan Vidovic, Steffen Puttkammer, Patrick Posipal und eben Komenda sind Alternativen zwar da. Ein längerer Ausfall von Gebers wäre aber in jedem Fall eine bedauerliche Schwächung. Gerade in der wohl besten dritten Liga aller Zeiten.

HN

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