Denkmal? Abgerissen!

Es gab Tage, da war Benjamin Girth der Mittelpunkt der Welt. Einer sehr kleinen Welt. Die genau genommen nur aus dem SV Meppen bestand. Seinen Spielern, seinen Trainern, all den Fans. Dem Stadion, mit der Backsteinfassade der alten Tribüne und den Betonklötzen der neuen Traversen.

Und mittendrin stand Benjamin Girth und schoss Tore. 39 Tore in 67 Spielen – eine unglaubliche Quote. Geschossen mit dem Vollspann, im Fallen und Liegen. Mit Köpfchen und mit dem Kopf.

Es hätte nicht viel gefehlt, und die Menschen im Emsland, die sich nur sehr langsam begeistern lassen und deren innere Euphorie noch viel schneller wieder abebbt, sie hätten Benjamin Girth eine Statue gebaut. Vielleicht nur eine kleine Skulptur, vielleicht auch ein riesiges Denkmal.

Am Donnerstag hat Benjamin Girth dieses Denkmal in Gedanken eigenhändig abgerissen.

Interesse aus Emmen und Braunschweig

Da stand er vor der Kamera, trug bereits einen Pullover seines künftigen Vereins und hielt ein lila-weißes Trikot in die Hände. Sprach von „Ambitionen“, „ausschlaggebenden Punkten“ und „Osnabrück“. Er sprach von Dingen, die wirklich keiner hören will.

Sportlich ergibt dieser Wechsel durchaus Sinn. Für mehrere Seiten. Girth konnte sich in einem halben Jahr bei Holstein Kiel nicht entscheidend durchsetzen und suchte Spielpraxis. Kiel wollte Gehalt sparen. Wie zu hören ist, waren sowohl der niederländische Eredivisionär FC Emmen als auch die Drittligisten aus Osnabrück, Braunschweig und Meppen an einem Leihgeschäft interessiert. Am Ende entschied sich Girth. Für einen Verein, der um den Aufstieg mitspielt, und – so kurios das ist – dringender einen Strafraumstürmer benötigt als der SVM.

Wut in sozialen Netzwerken

Und natürlich liefen die Kommentarspalten im Internet heiß. Es war die Rede davon, dass Benjamin Girth ja sowieso seit jeher verschrien wäre, einer Mannschaft nicht helfen zu wollen. Er, der nur glänzen wolle, auf Kosten seiner Mitspieler. Er, der sich für das schnelle Geld entschieden hätte. Er, der Ego-Mensch.

Es hat sich etwas verändert. Vor sechs Monaten, als Girth zu Holstein Kiel ging, waren die Reaktionen anders. Verständnisvoller. Weil jeder wusste, dass er diesen Schritt gehen müsse. Es wenigstens mal in der zweiten Liga probieren solle. Und in den Wochen darauf war nur allzu oft die Rede davon, dass Girth in Kiel schon wieder nicht spielen würde und sowieso besser in Meppen aufgehoben sei.

Verblassende Erinnerungen

Heute Abend ist Verständnis nicht zu erwarten. Heute regieren Enttäuschung und Wut. Doch für Benjamin Girth dürfte es noch schlimmer kommen. Denn Enttäuschung und Wut bedeuten, dass Emotionen im Spiel sind. Dass Girth den Menschen wichtig war. Doch bald wird sich niemand mehr in Meppen für Benjamin Girth interessieren.

Und so ist das traurige an dieser Entscheidung nicht, dass ein Spieler nicht zum SV Meppen wechselt. Traurig ist, dass dieser Spieler mit seinem Wechsel die Erinnerungen zerstört. Erinnerungen an Tore gegen Lübeck, Würzburg und im Derby. Erinnerungen an Torjubel vor ausverkauftem Haus und mit Gips um den Fuß. Es wird niemand mehr über ihn reden, oder zumindest nicht auf diese Art.

Es wird niemanden mehr geben, der sich in Zukunft noch an Girths Tore in Meppen erinnern will. Niemand wird mehr sein Trikot tragen. Es wird niemanden mehr geben, der ein Denkmal für ihn bauen will.

Was schade ist.

Vor allem für ihn selbst.

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% S Kommentare
  1. Jan sagt

    Mal ganz ehrlich…er wollte zurück zum SV Meppen, aber der Sv Meppen wollte ihn nicht mehr!
    Also…bitte kleine Brötchen backen

  2. NurderSvM sagt

    Dieser Text ist voll von mimimi! Lieber Meppener, heul leise!

  3. Oliver sagt

    Rüste verbal mal ein wenig ab. Fahr am 26. Januar nach Osnabrück und erlebe die Stimmung an der Bremer Brücke. Dann weisst du ,weshalb er gewechselt ist

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