Danke!

Mit Martin Wagner und Patrick Posipal werden am Samstag zwei Spieler das Feld verlassen, die sinnbildlich für den Aufstieg des SV Meppen stehen. Es gilt Danke zu sagen.

Die Erwartungen waren durchaus hoch, als im Juni 2013 folgende Nachricht durchsickerte: Martin Wagner wechselt zum SV Meppen. Ein Leistungsträger von Waldhof Mannheim wechselt ins Emsland? Noch dazu im besten Fußballeralter von 26 Jahren? Mit der Erfahrung von bereits über 100 Regionalliga-Spielen? Das überraschte schon, zumal der SVM in der Vergangenheit doch zumeist eher in der näheren Umgebung nach neuen Spielern suchte. Doch der Transfer von Wagner war auch ein Signal: Der SV Meppen wollte wieder angreifen.

Sechs Jahre später lässt sich mit Fug und Recht festhalten: Kaum eine Verpflichtung in den letzten zehn Jahren hat sich derart gelohnt wie die von unserem Kapitän. Die Entwicklung und der Aufschwung der letzten Jahre sind unzweifelhaft ganz entscheidend mit dessen Person verbunden. Wenn im Emslandstadion am Samstag zum letzten Mal in dieser Saison der Ball rollt, geht eine kleine Ära zu Ende. Wagner wird zum letzten Mal in einem Heimspiel das SVM-Trikot tragen – ebenso wie Patrick Posipal, der den Verein ebenfalls am Saisonende verlassen wird. Beide Spieler haben sich in den letzten Jahren hochverdient gemacht.

Sofort eingeschlagen

Wagner brauchte nicht lange, um den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Gleich in seinem ersten Spiel bereitete er das 1:0-Siegtor von Timo Scherping gegen Werder Bremen II vor. Wagner war flink, Wagner war gewitzt und Wagner war trickreich. Die linke Seite wurde zu dem absoluten Faustpfand im Meppener Spiel. In seiner ersten Saison traf er achtmal und bereitete 14 Tore vor. 2014/2015 machte er genauso weiter, am Ende standen sieben Tore und zwölf Assists zu Buche.

Es dauerte nicht lange und Wagner wurde von den eigenen Anhängern gerne als „Emsland-Messi“ bezeichnet. Eine Anekdote, die in jedem überregionalen Bericht und in jeder TV-Übertragung in den nächsten Jahren ebenso wenig fehlen durfte wie die Verwandtschaft von Patrick Posipal – ihr wisst schon.

Wagner zog’s ins Zentrum

In Meppen wurde der einstige Wandervogel Wagner, der zuvor in Kassel, Aschaffenburg, Trier, Großaspach, Worms und Mannheim spielte, sesshaft. Als verlängerter Arm des Trainers spielte er auch in der Außendarstellung eine wichtige Rolle. Dass er nach dem Abgang von Johan Wigger das Kapitänsamt übernahm, war nur folgerichtig.

Auch weil das eigene Tempo etwas nachließ, zog es Wagner im Laufe der Zeit von der linken Seite in die Zentrale. In der insgesamt mühsamen Saison 2015/2016 gingen seine Statistiken zurück, doch im Aufstiegsjahr war er bereits wieder ganz der Alte. Mit fünf Treffern und zwölf Vorlagen hatte er wesentlichen Anteil an der überlegenen Meisterschaft – ehe in der Hitzeschlacht von Mannheim ausgerechnet bei seinem Ex-Klub der Schock folgte. Nach einer Verwarnung in der 44. Minute, stieg Wagner nur Sekunden später unüberlegt erneut zu hart ein – und flog noch vor der Pause vom Platz. Irgendwie rettete die Mannschaft das 0:0 über die Runden, im Rückspiel war der Kapitän aber natürlich dennoch zum Zuschauen verdammt.

Posipals ganz großes Spiel

Just in diesem Spiel schlug dagegen die große Stunde von Posipal. 2015 war der Weltmeister-Enkel aus Lüneburg ins Emsland gekommen und wurde gleich zur wichtigen Konstante im Defensivverbund. Sei es als Innenverteidiger oder auf der Sechs – auf ihn war Verlass. Dabei war er nicht nur für das Grobe zuständig, auch der Spielaufbau war für Regionalliga-Verhältnisse überdurchschnittlich. Doch gegen Mannheim wuchs er noch einmal über sich hinaus. Posipal war während der kompletten 120 Minuten überall zu finden, schmiss sich defensiv erfolgreich in jeden Zweikampf und kurbelte zugleich immer wieder das Offensivspiel an. Und natürlich blieb er auch im Elfmeterkrimi cool und verwandelte seinen Strafstoß souverän.

Leider wurde Posipal in seiner Zeit in Meppen aber auch immer wieder durch kleinere Verletzungen gestoppt. Machte er im letzten Jahr immerhin noch 22 Spiele, waren es in dieser Saison nur vier. Andere Akteure hatten ihn sowohl in der Viererkette als auch im Mittelfeld den Rang abgelaufen. Nichtsdestotrotz dürfte kein SVM-Fan jemals Sorgenfalten auf der Stirn gehabt haben, wenn er den Namen „Posipal“ in der Aufstellung las.

Wie für Posipal, war auch für Wagner die dritte Liga völliges Neuland. Doch wie zu erwarten ging der Kapitän voran – und hat sich mit dem ersten Drittligator des SV Meppen in den Geschichtsbüchern verewigt. Auch seinem Führungstreffer gegen die Würzburger Kickers war es zu verdanken, dass sich schnell das Gefühl einstellte, der SVM könne in der neuen Klasse mithalten.

Ein letztes Mal

Eineinhalb Jahre stand Wagner – wenn fit – auch in der 3. Liga eigentlich immer in der Startelf. Auch wenn sich im Umfeld durchaus die ein oder andere kritische Stimme äußerte, denn es war schon spürbar, dass er in dieser Liga auch an seine Grenzen stößt. Dennoch war Wagner stets für die eine Aktion gut, die ein Spiel entscheiden kann.

Seit diesem Winter ist der Mann, der einst als Hoffnungsträger kam und diesen Job herausragend erfüllte, jedoch mehr und mehr ins zweite Glied gerückt. Dass sich die Wege in diesem Sommer nun trennen, kam nicht völlig unerwartet. In der Regionalliga, wohin es Wagner nun wieder zieht, sollte er als Führungsspieler weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Mit Martin Wagner und Patrick Posipal werden am Samstag zwei sehr verdiente Spieler den Verein verlassen. Ein gebührender Abschied sollte ihnen sicher sein. Wagner wird mit Sicherheit seine Mannschaft noch einmal auf das Feld führen, Posipals Einsatz ist zurzeit fraglich. Verdient hätten sie es sich beide allemal. In diesem Sinne: Danke!

H.N.
Foto: Studio205

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