Danke Jens. Danke Dennis.

Fünf Minuten sind noch zu spielen an diesem nasskalten Novembertag. Zwischen dem SV Meppen und dem Lüneburger SK steht es 2:2. Noch einmal gibt es Freistoß für den Gastgeber. Dennis Strompen bringt den Ball in den Strafraum. Die Kugel rutscht durch zu Dennis Geiger, der, mit dem Rücken zum Tor stehend, instinktiv zum Fallrückzieher ansetzt und zum 3:2-Siegtreffer trifft. Rund 1000 Zuschauer drehen durch. Der Treffer wird gar zum „Tor des Monats“ in der ARD-Sportschau nominiert. „Fallrückgeiger“ ist geboren.

Wenn die Tore des Emslandstadions am Samstag gegen Erfurt zum letzten Mal in dieser denkwürdigen Saison geöffnet werden, heißt es nicht bloß noch einmal „danke“ zu sagen. Es gilt auch Abschied zu nehmen von zwei Spielern, die sich in den letzten Jahren hochverdient um den SV Meppen gemacht haben.

Nach beeindruckenden 16 Jahren endet in diesem Sommer die Karriere von Jens Robben. Mehr als eine Dekade verbrachte Robben davon beim SVM. Reihenweise ließ er die Gegenspieler ins Leere laufen. Sein Hang dazu, jede Situation möglichst spielerisch zu lösen, sorgte auf den Tribünen gerne mal für Raunen. Genie und Wahnsinn liegen eben oft nah beieinander. Robbens ständiges Lamentieren und Diskutieren mit dem Schiedsrichter ist nahezu legendär, allein zwischen 2012 und 2016 sammelte er 51 gelbe Karten. Auch der ein oder andere Platzverweis blieb nicht aus – zehn gelb-rote Karten im Laufe der Karriere sind ein durchaus stolzer Wert.

Durchmarsch mit Oberhausen in die 2. Bundesliga

Unter Andreas Helmer debütierte das Eigengewächs im Jahr 2002 für den SVM. Zwei Jahre später zog es ihn in die zweite Bundesliga zu Eintracht Trier, 2006 ging es zu Rot-Weiß Oberhausen, wo er als tragende Säule am Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Liga mitwirkte.
2009 kehrte Robben zum ersten Mal wieder zurück nach Meppen – nur um im Winter seine Zelte schon wieder abzureißen und sich dem BFC Dynamo in Berlin anzuschließen. Doch im Sommer 2010 zog es ihn endgültig wieder in die Heimat.

In den ersten Jahren seiner Karriere häufig im rechten Mittelfeld eingesetzt, agierte Robben mit fortwährender Dauer immer öfter in der Zentrale. Kein Wunder, denn wer nach dem besten Fußballer in den Reihen des SV Meppen fragte, bekam mit ziemlicher Sicherheit „Jens Robben“ als Antwort zu hören.
Gleich im ersten Jahr nach seiner endgültigen Rückkehr gelang der Aufstieg in die Regionalliga. Spieler kamen, Spieler gingen – doch Robben blieb als Konstante. Mit den Jahren hatte sich jedoch auch der Heißsporn mehr und mehr im Griff. Seit 2013 gab es nur noch eine Ampelkarte. Seinen Leistungen tat das jedoch keinen Abbruch. Wie ein guter Wein wurde Robben von Saison zu Saison stärker und entdeckte plötzlich im Derby gegen Oldenburg ungeahnte Stürmerqualitäten, als er doppelt traf und sich zum Helden aufschwang. In der schwierigen, von Verletzungen geplagten Saison 2015/2016 war Robben einer der wenigen Lichtblicke.

284 Spiele absolvierte Robben für den SV Meppen. Dabei gelangen ihm 22 Treffer. Am Samstag kommt Einsatz Nummer 285 hinzu.

Der Fels in der Brandung

Nicht ganz so häufig hielt zwar Dennis Geiger seine Knochen für den SVM hin. Dennoch gehört auch der 33-Jährige zu den prägenden Säulen der letzten Jahre.
Am 15. Februar 2015 gab der Innenverteidiger sein Debüt beim 2:2 gegen Weiche Flensburg. 90 Minuten später war klar: Wir haben einen neuen Abwehrchef. Zweikampfstark, in der Luft kaum zu überwinden – der Ex-Mannheimer war von Beginn an der Fels in der Brandung, den der Verein lange gesucht hat. In den ersten zwölf Monaten verpasste Geiger keine einzige Minute, ehe ihn eine Schambeinverletzung in der Rückserie 2015/2016 zum Zuschauen zwang. Unvergessen seine beiden (!) Fallrückziehertore gegen Lüneburg und in Lübeck.

Auch in der Aufstiegssaison war Geiger eine unverzichtbare Größe bis, ja ausgerechnet bis zu den Relegationsspielen gegen seinen Ex-Klub. In Mannheim saß er plötzlich 90 Minuten lang nur auf der Bank. Umso bemerkenswerter seine Leistung im Rückspiel, als er die Mannschaft im wichtigsten Spiel der letzten 30 Jahre als Kapitän auf den Platz führte – und so zuverlässig hinten abräumte, als wäre nichts gewesen.

In dieser Saison spielten sowohl Robben als auch Geiger kaum mehr eine Rolle. Für Robben blieb es bei einem Kurzeinsatz gegen Magdeburg, Geiger durfte wenigstens viermal mitwirken und stand häufiger im Kader. Wehklagen oder Beschwerden darüber? Hörte man keine.

Mit Jens Robben und Dennis Geiger verlassen zwei große Spieler den Verein. Ihr steht den Helden von 1987 in nichts nach. Danke Jens. Danke Dennis.

PS: Mit Menno Heerkes, Haris Hyseni, Mike-Steven Bähre und Fabian Senninger werden am Samstag weitere Spieler verabschiedet. Auch sie wollen wir nicht vergessen.

HN

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