But could they do it on a cold rainy day in Jena?

But could they do it on a cold rainy day in Jena? Die Antwort lautet: JA! In einem Spiel, das purer Abstiegskampf war, gewinnt der SV Meppen mit 2:1 bei Carl Zeiss Jena. Und verlässt endlich wieder die Abstiegsplätze. Was dem SVM an Spielsicherheit fehlte, machte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit durch Einstellung wett.

2010 unterhielten sich die Premier-League-Experten Richard Keys und Andy Grey über die Qualität von Lionel Messi. Messi, so Grey, sei ganz gewiss der beste Fußballer auf diesem Planeten. Doch Keys wandte ein: Könne er das, was er jedes Jahr in Spanien zeige, auch an einem kalten, regnerischen Tag in Stoke auf den Platz bringen? Could he do it on a cold, rainy day in Stoke? Die Antwort bleibt Messi bis heute schuldig.

Ganz wenig in der 1. Halbzeit

Nun ist der SV Meppen von Lionel Messi derzeit meist weiter entfernt als eben Stoke vom Camp Nou. Und trotzdem stellte sich heute in Jena die Frage: Würden die Jungs, die am vergangenen Wochenende gegen Fortuna Köln so dominierten und viele emsländische Qualitäten auf den Platz brachten, auch jetzt am Freitagabend nachlegen können?

Nach 45 Minuten war man geneigt sich zu wünschen, dass sich Keys und Grey ihre Frage nie ausgesprochen hätten. Denn der SV Meppen war am Boden. 0:1 nach einer ersten Halbzeit, in der es der Mannschaft an vielem mangelte. Wie schon in den Auswärtsspielen in Halle und Zwickau fehlte die Bindung zwischen Defensive und Offensive. Viele Ungenauigkeiten, viele Fehlpässe, und ganz wenig Selbstvertrauen. So kam Jenas Sören Eismann – Grüße! – nach 15 Minuten zur besten Chance, vergab aber um einen Meter am rechten Pfosten vorbei. In der 30. Minute war das Meppener Glück dann aber vorerst aufgebraucht: Nachdem Nico Granatowski und Jannik Jesgarzewski nicht entscheidend gegen F?rat Suçsuz störten, legte der den Ball zurück auf Julian Günther-Schmidt. „Jena hat nach der ersten Halbzeit verdient geführt“, gestand auch Meppens Trainer Christian Neidhart nach Spielschluss bei der Telekom ein. Kurzum: Es stand eine Katastrophe bevor.

In der Pause änderte Coach Neidhart, der auf Luka Tankulic und erneut Thilo Leugers verzichten musste und dafür etwas überraschend David Vrzogic auf der Sechs aufbot, personell nichts. Und trotzdem trat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit völlig anders auf!

Auf Undav ist Verlass

Die beste Chance hatte Marius Kleinsorge, der in der 55. Minute in einen misslungenen Rückpass spurtete, dann aber den Ausgleich knapp verpasste. Und dann? Holten elf Meppener alles aus sich raus. Es ist klar, in einer kalten, regnerischen Nacht in Jena wird der Tabellenachzehnte nicht zu zaubern beginnen. Niemals so spielen wie Messi und Konsorten. Aber das ist im Abstiegskampf auch gar nicht gefragt. Es ist egal. Was zählt, ist das Herz auf den Platz zu tragen und darum zu kämpfen.

Beim 1:1 flankte Jesgarzewski in den Sechzehner, Nick Proschwitz stieg höher als Jenas Keeper Jo Coppens. Und Deniz Undav, der seine Rolle als Einwechselspieler in den letzten Wochen erst verkraften musste, und mittlerweile immer annimmt, traf per Kopf im zweiten Versuch. Anschließend entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem Meppen – vor allem bei einem Jenenser Lattentreffer – auch ganz viel Glück und den bärenstarken Erik Domaschke auf seiner Seite hatte.

Ein Lauf, der die Saison dreht?

Und dann, kurz vor Schluss: Ein Lauf, der eine ganze Saison drehen könnte. Am eigenen Sechzehner bekam Marius Kleinsorge den Ball von Keeper Domaschke. Ging ein paar Schritte, spielte dann weiter. Proschwitz bot vorne die freie rechte Seite an, wurde angespielt. Und Proschwitz fand mit einem wunderbaren Pass ausgerechnet Kleinsorge. Kleinsorge, der zu Saisonbeginn auch mal unglücklich agiert hatte, war die kompletten 80 Meter nach vorne gelaufen. War gewetzt, hatte scheinbar alles in diesen einen letzten Lauf gelegt. Setzte sich dann, ganz kurz vor Schluss, auch auf den letzten Metern Rasen im Eins-gegen-eins durch. Und drosch den Ball ins lange Eck. 2:1! – Tor! – Sieg! Wir sind im Himmel!

Zumindest für einen kurzen Moment, zumindest auf den vielen Kilometern zurück nach Hause. Denn gerettet ist der SVM noch lange nicht. Und dafür fehlte in der ersten Halbzeit einfach zu viel. Doch das Tor kurz vor Schluss – ein bisschen glücklich, ein bisschen vor allem reingewollt – könnte Kräfte freisetzen. Denn was ist im Abstiegskampf besser als die Gewissheit, dass es der SV Meppen eben doch kann. Auch in einer kalten, regnerischen Nacht in Jena. Meppen hat eine Antwort gegeben.

 

T.A.
Foto: H.N.

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