Bewahrer des bekannten Bildes

Wenn die Geschäftsstelle an der Lathener Straße ihre nächste Büromaterialienbestellung zusammenstellt, wird auf dem Lieferschein vielleicht zu sehen sein: – ein Fässchen Tinte (klein). Schließlich ist in den letzten Wochen einiges an königsblauer Schreibfarbe auf die Verträge des SV Meppen geflossen. Und es scheint, als würde noch mehr Tinte gebraucht.

Die Spieler stehen zum Verein

Was für eine Woche: Erst unterschreiben Trainer Christian Neidhart und Mario Neumann einen neuen Arbeitsvertrag, dann hat auch Nico Granatowski – wohl mit etwas Bedenkzeit – seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Das Zeichen ist klar. Beim SV Meppen wird auf Kontinuität gesetzt. Vor einem halben Jahr begann die Unterschriftenserie mit einem Ja-Wort von Thilo Leugers. David Vrzogic, Marcel Gebers und viele weitere Stammkräfte des SVM folgten. Das allein würde schon Applaus an Mannschaft und vor allem sportlicher Führung verdienen, welche Bedeutung die Verträge aber haben, wird erst mit einem Blick über den Tellerrand deutlich.

Aus Sicht des kleinen und manchmal als verschlossen geltenden Emslands ist Christian Neidhart in seinem Leben schon viel herumgekommen. Braunschweig, Osnabrück (wenn es sein muss), Westberlin, Leipzig kurz nach der Wende. Sogar nach China zu den Chengdu Blades führte es den Trainer als Spieler, von wo er nach einem turbulenten Flug den nächsten Flieger direkt Richtung Heimat wählte. Man kann sagen, Christian Neidhart weiß, wie man Koffer packt. Und das nicht erst, seitdem er in dieser Saison jede Woche nach Hennef zur Fußballlehrerausbildung fahren musste.

Wir bleiben!

Am Rande der Vertragsverlängerung schien durch, dass der frischgebackene Pro-Lizenz-Inhaber auch Anfragen aus einer höheren Liga erhalten hätte. Mit Blick auf die Unsummen von TV-Geldern in der 1. und 2. Bundesliga lässt sich selbstbewusst behaupten: auf Christian Neidhart und Mario Neumann wartete ein ganz dicker Scheck. Und gerade in dieser Situation setzen die Köpfe des Meppener Erfolgs* ein Zeichen von unschätzbarem Wert: Wir bleiben beim SVM!

Wer auf den Kader des SV Meppen für die Saison 2018/19 blickt, sieht fast ausschließlich bekannte Gesichter. Die Mannschaft bleibt zusammen, derzeit sucht der Verein nach punktuellen Verstärkungen. Und wie sieht das andernorts aus? In Halle und Osnabrück werden sich die Verantwortlichen von einem Großteil der Spieler trennen. Preußen Münster hat den Kader bereits mit einigen Neuzugängen verstärkt. Carl-Zeiss Jena weist Leistungsträger Jan Löhmannsröben die Tür, bangt gleichzeitig aber um einen Verbleib von Kapitän René Eckardt. Rostock wird ohne Keeper Janis Blaswich auskommen müssen. Fortuna Köln zerrt am eigenen Top-Stürmer Daniel Keita-Ruel. Von finanziellen Kapriolen mancher Klubs ganz zu schweigen.

Alles Probleme, die der SV Meppen nicht hat.

Nein, nach Abpfiff deutete sich sogar an, dass auch Max Kremer seinen Vertrag verlängern wird. Der oft in der Kritik gestandene Offensivmann hat sich in den letzten Wochen wahrlich empfohlen. Das traumhafte Siegtor am Freitagabend war da nur der Höhepunkt.

Beim SV Meppen wird man besser

Meppen schafft es in einer schwierigen Situation und unter hohem Druck das eigene Leitbild zu wahren. Die Mannschaft ist der Star, Spiele werden nur im Kollektiv gewonnen. Mit welchem Fingerspitzengefühl am Kader gebastelt wird, ist sondergleichen. Und dass Neidhart und Co. jeden Spieler, der andernorts schon abgeschrieben worden war, zu ungeahnter Form verhelfen können, wissen nicht nur Luka Tankulic, Nico Granatowski und Mirco Born.

Auch wenn die Konkurrenz in der kommenden Saison sicher noch stärker wird, sich die Zahl der Absteiger auf vier Vereine erhöht und der SVM ja sowieso und wie überall prognostiziert ins „schwierige zweite Jahr geht“, wird dem Beobachter nicht bange. Der SV Meppen macht derzeit vieles richtig. Und wer weiß, vielleicht erkennt das ja auch ein Stürmer, dessen Bekenntnisse zum Verein in letzter Zeit immer mal ein kleines Hintertürchen offen gelassen haben, und dessen Vertrag sich ja auch verlängern ließe.

Neidhart und Neumann haben jedenfalls klargestellt: Der SV Meppen ist Heimat. In Meppen ist noch nichts zu Ende. Meppen fängt gerade erst an.

* Daniel Vehring, Heiner Beckmann und Co. wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht vergessen.

T.A.
Foto: Nikita Teryoshin

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