50+1 = 100 Prozent

Am 22. März werden die 36 Bundesligisten zusammen mit der DFL über die Reform der 50+1-Regel diskutieren. Die Meppener Ultra-Gruppierungen haben bereits jetzt signalisiert: Mit uns wäre ein Ausverkauf nicht zu machen.

Kapitalgesellschaft, Investoren, Anteilseigner, Stimmrecht – zugegeben, wer bei diesen Worten eine innige Lust verspürt weiterzulesen, der sollte zum Arzt gehen. Aber es gibt eben Themen, die sind nicht attraktiv und trotzdem überlebenswichtig. So wie die 50+1-Regel.

Überall werden derzeit in deutschen Stadien Banner aufgehangen a la »50+1 muss erhalten bleiben«, »Pro 50+1«, »50+1 ist unantastbar«. Denn die Zahlenkombination ergibt nicht nur 51, sondern bildet auch das Grundgerüst, warum der deutsche Fußball und das Erlebnis Stadion so besonders für jeden Einzelnen von uns sind.

Eine Regel mit Sonderrechten

Um die Regel zu verstehen, muss ein einfacher Dreischritt nachvollzogen werden: Vereine kapseln seit geraumer Zeit ihre Fußballabteilungen aus. Aus dem eingetragenen Verein wird dann eine Kapitalgesellschaft. Eine, von der dritte Personen (oder Firmen) Anteile kaufen können. Doch damit die Fußballabteilungen in Deutschland nicht zum Spielball von Spekulanten werden, gilt die 50+1-Regel. Die besagt, dass der Ursprungsverein immer 50 Prozent und einen Anteilsschein an der Kapitalgesellschaft halten muss. So behält der Verein immer die Entscheidungsmehrheit, also die Kontrolle, über einen Verein. 50+1 sind 100 Prozent.

Weil diese Regel in den vergangenen Jahren aber immer weiter aufgeweicht wurde (siehe Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig), ein umtriebiger Präsident nach mehr Einfluss strebt (siehe Hannover) und sich Rekordmeister um internationale Wettbewerbsfähigkeit sorgen (siehe Bayern) will die Deutsche Fußball-Liga nun mit ihren Vereinen ins Gespräch kommen – und die sakrosankte 50+1-Regel möglicherweise reformieren.

Und … was geht das den SV Meppen an?

Natürlich, eine ganze Menge. Zwar ist der SVM derzeit, und glücklicherweise, noch ein eingetragener Verein. Das bedeutet niemand kann Anteile kaufen und niemand hat mehr als ein anderer zu sagen, denn die demokratische Mitgliederversammlung bestimmt einen Vorstand, der im Sinne aller Mitglieder handeln soll. Aber: Würde die DFL die 50+1-Regel kippen, müsste sich wohl auch in Meppen einiges ändern. So wie sich in Münster zuletzt die Fußballabteilung zu einer Kapitalgesellschaft verwandelte, wäre das auch in Meppen notwendig, um frisches und wettbewerbsfähiges Kapital zu erhalten.

16 Meppener Fangruppen beziehen Stellung

Natürlich, es ginge auch ohne, denn außer Sterben müssen wir nichts. Spätestens, wenn aber nicht nur Benjamin Girth, sondern auch sechs weitere Leistungsträger vom Geld investorengestärkter Konkurrenten angelockt würden, sähe diese Diskussion schon ganz anders aus.

Genau deshalb haben sich die Ultras in Meppen dem aktuellen Aktionsbündnis »50plus1bleibt!« von Beginn an angeschlossen. Auf der Unterzeichner-Liste, der mittlerweile 2122 Fanclubs, Fangruppierungen und –verbände stehen, waren bereits am ersten Tag mehrere Meppener Fangruppen und Ultravereinigungen eingetragen. Mittlerweile aus Meppen dabei: Amisia Ultra’ Meppen, Banausen, Blue White Rebels, Fuseltown, Imperium Meppen, Leftside Meppen, Meppen Inc, Meppinias, Monstaz, Pünten Bande, Sektion ASD, Sektion Hesepe, Sektion Lathen, Sektion Papenburg, SV Meppen Freunde Rühlerfeld und, natürlich, Szene Meppen.

Auf dem heißen Stein der aktuellen Diskussion mag das zwar nur ein kleiner Tropfen sein, innerhalb des Vereins ist es jedoch ein klares Zeichen. Die Anhänger schätzen die bewährten Strukturen und wollen sie verteidigen. Der SV Meppen ist und bleibt hoffentlich ein eingetragener Verein. Daran sollten auch Verantwortliche denken, wenn sie sich auf die Suche nach dem schnellen Geld begeben würden.

Text: T.A.
Foto: Lars Schröer – Studio205

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